Natura 2000 - Ober- und Mittellauf der Mur mit Puxer Auwald, Puxer Wand und Gulsen
GEBIETSBESCHREIBUNG
(Fauna-Flora-Habitat-Gebiet)
mittlere Seehöhe: 1169 m
Die Mur entspringt in ca. 1950m Seehöhe in Form einer Schuttquelle am Flachkar im Zentralalpengebiet. Sie mündet nach etwa 453 km mit einem Gesamteinzugsgebiet von 13.824 qkm bei Legrad (130m Seehöhe) in die Drau. Die ersten 60 km (EZG 1.000 qkm) fließt die Mur in Salzburg, die restlichen 290 km (EZG 9.400 qkm) auf österreichischem Staatsgebiet liegen in der Steiermark.
Der Flußverlauf wird aufgrund der naturräumlichen Situation in das inneralpine Murgebiet mit annäherndem West-Ost-Verlauf, in die Durchbruchstrecke zwischen Bruck und Graz mit Nord-Süd-Verlauf und in das außeralpine untere Murgebiet unterteilt. Mit dieser Einteilung korrespondieren auch die geologischen Einheiten. Im inneralpinen Murgebiet durchfließt die Mur zunächst die Zentralalpen. Die Grauwackenzone streift das Murtal, indem sie vom Enns-/ Liesingtal in das Mürztal zieht. Ab Bruck durchbricht die Mur das Steirische Randgebirge und das Grazer Bergland (beide Zentralalpenzone). Das außeralpine Murgebiet umfaßt das Steirische Becken, welches als Teil des pannonischen Senkungsfeldes von diesem durch die südburgenländische Schwelle (Kristallinaufragung des Untergrundes zwischen Rechnitz und Radkersburg) getrennt ist. Ab Graz durchfließt die Mur die breiten Sohlentäler des Grazer, Leibnitzer, Murecker und Radkersburger Feldes.Aufgrund der weitgehend dem alten Flußbett entsprechenden Linienführung ist eine ihrem natürlichen Charakter entsprechende Bandbreite an gewässermorphologischen Ausprägungen (Prall- und Gleitufer, Kolk/Furt-Abfolgen, vereinzelte Aufzweigungen mit Inselbildungen, Schotterbänke) erhalten geblieben. Das bearbeitete Gebiet wird der Kategorie B zugeordnet.
Dabei handelt es sich um Fließgewässerabschnitte, deren Morphologie, Dynamik sowie Umlandsausprägung Veränderungen gegenüber dem ursprünglichen Flußtyp erfahren haben (z.B. durch jahrhundertelange Landnutzung), die jedoch nicht durch systematische flußbauliche oder energiewirtschaftliche Eingriffe in ihrem Charakter verändert sind. Das Gebiet ist Teil der inneralpinen Mur und reicht von Murau bis zur Stauwurzel Unzmarkt, anschließend von Unzmarkt bis Judenburg und von Zeltweg bis St. Erhard. Der mittlere Jahresabfluß liegt zwischen 36,1 und 79,9 ccm. Die vorherrschenden Talformen sind Sohlen- und Kerbtäler. An Flußtypen findet man gestreckte, pendelnde, gewundene, mäandrierende Formen und Talmäander, die eigentlich dem gestreckten Typ angehören.
Im Zuge von Eingriffen für Flößerei und Schiffahrt wurde der Fluß schon früh auf eine Hauptwasserrinne festgelegt. Die großangelegten Regulierungsarbeiten Ende des vorigen Jahrhunderts brachten kaum mehr zusätzliche einschneidende Veränderungen. Heute sind die Ufer zwar weitestgehend fixiert, aber schon relativ gut eingewachsen und teilweise überlandet.
Historisch vorkommende Arten sind die Ufertamariske (Myricaria germanica) und der Fischotter (Lutra lutra). Die wichtigste rezente Art für das Gebiet ist der Huchen (Hucho hucho)der hier den Kernbestand der Steiermark bildet.Zahlreiche nennenswerte Wochenstuben von Fledermäusen wie Rhinolophus hipposideros, Myotis myotis, Plecotus auritus, Eptesicus nilssoni befinden sich in der höheren Umgebung. Höhlen im Gebiet sind wichtige Winterquartiere von Barbastella barbastellus.
Murinsel Triebendorf
Im oberen Einzugsgebiet der Mur, zwischen Murau und Triebendorf, befindet sich im Flußbett der Mur eine Schotterinsel, das Naturschutzgebiet. In diesem Laufabschnitt besitzt die Mur noch naturnahen Charakter. Aufgrund des wertvollen Pflanzenbestandes, der interessanten Vegetationsentwicklung und seiner tierökologischen Bedeutung ist diese Murinsel von höchstem naturwissenschaftlichen und ökologischen Wert. Vegetation:
Diese kleinflächige Schotterinsel weist eine sehr interessante Vegetationsentwicklung auf, die von Pioniergesellschaften auf Schotterbänken bis zu einem jungen, naturbelassenen Auwald, der bereits Zeiger einer fortgeschritteneren Vegetationsentwicklung beherbergt, reicht. Historisches Vorkommen der Ufertamariske (Myricaria germanica).
Tierökologische Bedeutung:
Auf dieser Insel befindet sich der einzige bekannte Brutplatz des Flußuferläufers (Actitis hypoleucos) im Oberen Murtal. Aufgrund seiner Unzugänglichkeit und des Ankaufes durch den Naturschutzbund ist dieses Naturschutzgebiet in seinem Bestand gesichert.
Dieser Auwald liegt südwestlich von Scheifling, zwischen den Gemeinden Frojach und Teufenbach am Fuße des Puxberges im oberen Murtal. Er schließt an die Murau von Frojach an und gliedert sich in einen links- und rechtsufrigen Teil. Nur der linksufrige Teil, zwischen angrenzendem Hang und Mur gelegen, mit Begleitgewässern, sogenannten Gießen (= flußbegleitende Grundwassertümpel bzw. Gerinne), wurde unter Schutz gestellt. Das linke Ufer der Mur ist teilweise durch einen Damm befestigt, der jedoch nicht im Schutzgebiet liegt. Im Westen grenzen landwirtschaftliche Nutzflächen an das Naturschutzgebiet, hauptsächlich Mähwiesen, die zum Teil noch Feuchtwiesenelemente aufweisen.
Das Schutzgebiet zeichnet sich durch seinen hohen Altholzreichtum und durch sein teilweise urwaldartiges Aussehen aus.
Vegetation:
Der hier vertretene Auwald kann als inneralpines Alnetum incanae (Grauerlenau) angesprochen werden, in dem die Silberweide (Salix alba) sehr stark in den Vordergrund tritt. In flacheren Zonen finden sich auch Strauchweiden wie die Mandel-Weide (Salix triandra) oder Purpur-Weide (Salix purpurea). Die Krautschicht des Auwaldes ist sehr üppig und artenreich, in der Straußfarn (Matteuccia struthiopteris), Kohldistel (Cirsium oleraceum), Akeleiblättriger Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium), Spring-Schaumkraut und Bitterem Schaumkraut (Cardamine impatiens und Cardamine amara), Glanzgras (Phalaris sp.), Springkraut (Impatiens noli-tangere) und Süßgras (Glyceria fluitans) vertreten sind. Weiters bestehen auch kleinflächige Fichtenforste. Die Waldsäume setzen sich aus wärmeliebenden Arten des Berberidon-Verbandes zusammen.
Tierökologische Bedeutung:
Dem Auwald kommt Bedeutung als Lebensraum und Rückzugsgebiet für an Feuchtstandorte gebundene Tiere zu. Puxer Wand: Ausgeprägte Reliktvegetation auf Kalkfels/-schutt: wärmeliebende Rauhgras-Schuttflur mit Federgras und Kiefern-Fichten-Felsbestockung mit Laubholzanteilen
Gulsen
Der Gulsenberg liegt nordöstlich von Knittelfeld (bzw. südlich von Kraubath). Auf den zur Mur abfallenden Hängen (süd-östliche Hangexposition) wurden zwei Teilflächen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Von der Murtalbegleitbahn, die am Fuße des Gulsenberges vorbeiführt, gelangt man zu diesen beiden Teilflächen, die durch einen Steinbruch voneinander getrennt sind. Das Naturschutzgebiet ist in den obersten Hangbereichen, infolge Steilheit und schwieriger Zugänglichkeit, in einem naturnahen Zustand erhalten. Die Eigenschaften der Serpentinböden, wie ausgeprägte Nährstoffarmut und die limitierende, weil toxische Wirkung bestimmter Schwermetallionen, bedingen die hier wachsenden Pflanzengesellschaften, die von hohem naturwissenschaftlichen Wert sind. Nach ZUKRIGL (1980) stellen derartige Standorte biogenetische Reservate zur Erhaltung eines vielfältigen Genpotentials dar.
Vegetation:
Die beiden Teilflächen des Schutzgebietes stellen ein Vegetationsmosaik aus Rotföhren-Serpentin-Wäldern, eher an den unteren Hanglagen, Zwergstrauchbeständen, Trockenrasen und Fels-(Spalten)-Vegetation in den obersten Hangbereichen dar. Die Rotföhrenwälder, denen zum Teil Fichten und Lärchen beigemischt sind, weisen eine wärmeliebende, für Serpentingestein typische Strauch- und Krautschicht auf.
Eine floristische Besonderheit ist die Pittonis Hauswurz; weitere Serpentinvertreter, die nur in zwei weiteren, eng begrenzten Arealen vorkommen, sind der Serpentinstreifenfarn (Asplenium cuneifolium), der Pelzfarn (Notholaena marantae) und die Gemeine Grasnelke (Armeria elongata).
Mittagskogel: ausgeprägte Reliktvegetation über Serpentin: Schneeheide-Kiefernwald im Komplex mit Felsspaltenvegetation.
Die Kombination dieser ausgesprochenen Relikt-Vegetationstypen ergibt ein Habitat von übernationaler Bedeutung.
Tierökologische Bedeutung:
Derartige Trocken- und Felsstandorte beherbergen eine reiche Kleintierwelt (Insekten, Schmetterlinge, Reptilien).
Sonstiges Unmittelbar angrenzende Schottergewinnung führt zu Lärm- und Staubentwicklung.
Gemeinden im NATURA 2000-Gebiet
Predlitz-Turrach, Stadl an der Mur, Falkendorf, St. Ruprecht ob Murau, Murau, Laßnitz bei Murau, Triebendorf, Frojach-Katsch, Teufenbach, Niederwölz, St. Lorenzen bei Scheifling, Scheifling, Unzmarkt-Frauenberg, St. Georgen ob Judenburg, Pöls, St. Peter ob Judenburg, Judenburg, Fohnsdorf, Maria Buch-Feistritz, Zeltweg, Spielberg bei Knittelfeld, Großlobming, Apfelberg, St. Margarethen bei Knittelfeld, Knittelfeld, Kobenz, St. Lorenzen bei Knittelfeld, St. Marein bei Knittelfeld, Feistritz bei Knittelfeld, Kraubath an der Mur, St. Stefan ob Leoben, St. Michael in der Obersteiermark, Leoben, St. Georgen ob Murau
INFORMATIONEN
Life Natur Projekt "Inneralpines Flussraummanagement Obere Mur"



