
Mut zu Wissen!
Abteilung 3 - Wissenschaft und Forschung

Die vorliegende Website, auf der wir in regelmäßiger Abfolge ausgewählte Highlights aus Wissenschaft, Forschung und Erwachsenenbildung - und zwar aus der eigenen Förderungspraxis - vorstellen, erfreut sich eines überaus großen öffentlichen Interesses, ganz in unserem Sinne: Wir wollen nicht nur das wissenschaftliche Fachpublikum erreichen, sondern auch eine breitere Öffentlichkeit für die Erforschung der Welt und ihrer Zusammenhänge interessieren. Eine überaus lange Reihe an Förderungsprojekten wäre es wert, hier gewürdigt zu werden, doch können wir mangels Platzkapazitäten immer nur vereinzelte Projektförderungen präsentieren. Wir bitten alle Wissenschafterinnen und Wissenschafter, uns diese exemplarische Auswahl nachzusehen. Ihr Team der
Abteilung 3 - Wissenschaft und Forschung.
- "Styrian Science Study"
- "Styrian Academy for Sustainable Energies", Technische Universität Graz
- „Die Entwicklung des Orchesterklangs in den Symphonien von W.A. Mozart"
- Das war der "Mariazeller Dialog 2010: Ethik der Umweltforschung und Umwelttechnik"
- ANISA - Interdisziplinäre Forschung in den Alpen
- "Einstein Junior" 2009/2010
- "EUROSUN 2010"
- "Väter als männliches (Rollen)Vorbild"
- "Frauenforschung"
- "Neuaufstellung" der Universitätsmuseen, Karl-Franzens-Universität Graz
- "Basisbildung Oberes Murtal"
- "St. Jakob am Mitterberg - Romanische Kirchenruine und abgekommene Burg"
- Karl Acham: "Kunst- und Geisteswissenschaften aus Graz"
- Literatur- und kulturgeschichtliches Handbuch der Steiermark im 19. Jahrhundert - Online
- "Johann Joseph Fux - der Komponist"
- "Green Jobs for Styria"
- "ERSTAUSGABE" - Journal für JungforscherInnen der Karl-Franzens-Universität Graz
- "Bildungsforschung - Impulse für die steirische Bildungslandschaft"
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FÖRDERUNGSARCHIV!
Bildungsforschung - Impulse für die steirische Bildungslandschaft
Ein zeitgemäßes Bildungswesen muss auf aktuelle Herausforderungen reagieren und Bildungskonzepte entwerfen, die die Entwicklung und Bildung von Kindern und Jugendlichen sowohl als individuelles Anliegen als auch als bildungspolitischen und kulturellen Auftrag verstehen. Eine funktionierende bildungspolitische Diskussion kann allerdings immer erst auf einer wissenschaftlich fundierten Grundlage aufgebaut werden: Bildungsforschung untersucht die Voraussetzungen und Möglichkeiten von Bildungs- und Erziehungsprozessen im institutionellen wie auch gesellschaftlichen Kontext. Bildungsforschung ist aber weit mehr als ein bloßer Blick auf Bildungsthemen. Sie muss über den Rahmen einer disziplinorientierten pädagogischen Forschung hinausgehen und über multidisziplinären sowie problemorientierten Charakter verfügen. Das Forschungsfeld der Pädagogik und Erziehungswissenschaft ist zu eng, um eine ausreichende Grundlage für die Gestaltung und die Entwicklung des Bildungswesens abzugeben. Neben Pädagogik und Psychologie spielt Bildungsforschung auch in Soziologie, Volks- und Betriebswirtschaft, Geschichtswissenschaft oder Philosophie eine zentrale Rolle und kann aus der jeweils spezifischen Perspektive der genannten Disziplinen betrachtet werden. Umgekehrt sind Inhalte und Ergebnisse der Bildungsforschung für viele Fachdisziplinen und Forschungsbereiche von großer Bedeutung, ja sind unverzichtbar, um gewisse Spezialthemen, etwa die Bildungsgeographie, überhaupt bearbeiten zu können.
Das vorliegende Forschungsprojekt - es wird von der Karl-Franzens-Universität in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule getragen - ist ein ebenso ehrgeiziges Unterfangen wie ein dringliches Postulat. Das Projekt „Bildungsforschung. Impulse für die steirische Bildungslandschaft" greift 5 zentrale Fragestellungen bzw. Forschungsthemen auf. Wie es gelingen kann, die Schule als Lebensraum und Erfahrungsort zu gestalten und eine Balance zwischen Leistungsorientierung, entwicklungsförderndem Klima und Gesundheitsförderung zu ermöglichen, steht im Fokus des 1. Teilprojekts mit dem Arbeitstitel Schule und Salotugenese. Gesundheit befähigt Menschen, individuelle Lebenspotentiale zu entfalten und die Herausforderungen in einer komplex gewordenen Welt zu meistern. Mit Blickrichtung auf die schulischen Kernprozesse „Lernen" und „Lehren" werden gesundheits- und entwicklungsfördernde Lernumwelten und Lebensräume untersucht, um in weiterer Folge eine Lerngesundheits-Landkarte der steirischen Schullandschaft mit einer differenzierten Analyse von Stärken und Problembereichen sowie Entwicklungsfeldern zu erarbeiten - bis zu diesem „Produkt" ist allerdings noch eine tüchtige Wegstrecke entlang des Forschungsprojektes zurück zu legen.
Der Professionalisierung von ElementarpädagogInnen widmet sich das zweite Teilprojekt. Bildungserfahrungen in der frühen Kindheit werden vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse der Neurowissenschaften, der Bildungsforschung und der Entwicklungspsychologie als Basis für erfolgreiche Lernbiografien angesehen. Das frühe Lernen ist äußerst relevant für den späteren Bildungserfolg und nicht minder wichtig für die gesellschaftliche Integration. An höheren Investitionen in die vorschulische Bildung führt kein Weg vorbei. Die Stärkung des Bildungssystems kann aber nur mit Hilfe eines Ausbildungssystems der dort tätigen Fachkräfte gelingen, das einem internationalen Vergleich stand hält und internationalen Standards entspricht. Österreich und Deutschland sind mittlerweile die einzigen OECD-Länder, die diese beruflichen Qualifikationen nicht bzw. noch nicht auf tertiärer Ebene anbieten! Aufgabe der diesjährigen Forschungsphase wird es sein, tertiäre Aus- und Weiterbildungsprogramme auf wissenschaftstheoretischer und forschungsbasierter Grundlage für Pädagoginnen und Pädagogen in Kindergarten und Schule zu erarbeiten. Dabei sollen sowohl neurowissenschaftliche, als auch entwicklungspsychologische und sozialpädagogische Erkenntnisse der Früh- und Grundschulpädagogik berücksichtigt werden.
Unterschiede nutzen und Gemeinsamkeiten stärken - diese und andere Motivationen werden im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs wie auch in der bildungspolitischen Debatte unermüdlich rezitiert. Im Rahmen des 3. Teilprojekts wird „Heterogenität als pädagogische Herausforderung" in den Blick genommen. Heterogenität wird durchaus sehr unterschiedlich wahrgenommen und reicht von aktiver Befürwortung bis hin zur vehementen Ablehnung. Zu motivieren ist aber jedenfalls die Wertschätzung der „anderen Einstellung" oder der „anderen Unterrichtspraxis". Mit zunehmender Akzeptanz der Heterogenität unserer Schulklassen steigt auch die Bereitschaft zum bewussten und produktiven Umgang mit individuellen Potenzialen. Ziel ist es, Konzepte zu entwickeln, die zum Lernen ermutigen und den Wissenserwerb als individuellen Prozess und kreative Eigenleistung möglich machen.
Diese Aspekte münden direkt in das vierte Teilprojekt mit dem Schwerpunkt auf: Lernprozessbegleitung im Spiegel neurowissenschaftlicher Erkenntnisse. Die in den vergangenen Jahren erbrachten Leistungen der Gehirnforschung sind unumstritten, und auch die Erziehungswissenschaften schreiten kontinuierlich voran. Nur eine interdisziplinäre Verknüpfung dieser beiden Bereiche - der geisteswissenschaftlichen einerseits und der neurowissenschaftlichen andererseits - hat Zukunftschance. Auf neurowissenschaftlichen Grundlagen sind daher Konzepte zu entwickeln, die es Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen, kindliche Denk- und Lernstrategien zu verstehen, anzuregen und zu bereichern. Die Forschungen zu diesem Teilbereich laufen auf Hochtouren; die ersten Zwischenergebnisse werden allerdings erst ab Herbst 2009 zu erwarten sein, deuten aber schon heute auf überraschende und signifikante Aussagen hin.
Im Blickpunkt des fünften Teilvorhabens steht schließlich ein brisantes und hochaktuelles Thema: Die Schule als Lebensort, oder: Der Ganztägig verschränkte Unterricht. Die öffentlichen Dispute rund um das Thema „Ganztagesschule" wurden auf medialer Ebene oftmals sehr einseitig vermittelt. Ein „Entweder-Oder" ist mit Sicherheit der falsche Ansatzpunkt. Es gibt noch viel mehr denkbare Formen und Modelle eines ganztägig verschränkten Unterrichtes, als der Begriff anfangs vermuten lässt. Die Gestaltungsmöglichkeiten einer optimalen Verschränkung und deren Nutzbarkeit für das Lehren und Lernen sind „ganzheitlich" zu untersuchen, gebundene Modelle, Rhythmisierungen, Lernzeit und Freizeit zu reflektieren.
Green Jobs for Styria

Energie ist mehr als eine physikalische Größe: sie spielt für Forschung und Entwicklung, für die Umwelt, die Wirtschaft - ja grundsätzlich für unsere „public goods" - eine zentrale Rolle. Das kommende Jahrzehnt ist aufgrund des Klimawandels und der Versorgungsprobleme mit fossilen Energien DAS Jahrzehnt der Energiewende und der erneuerbaren Energien. Unser Land hat vor rund 2 Jahren mit dem weiß-grünen Weg eine neue Programmatik begonnen, die in den nächsten Jahren intensiv fortgesetzt werden soll. Gerade die Steiermark erfüllt als Technologiestandort mit intensiver Forschungstätigkeit und großer Tradition in der Verwendung nachhaltiger Energieformen (vor allem Biomasse, Wasserkraft, Solarwärme) alle Voraussetzungen, um die Krise als Chance zu nutzen, allgemeine Krisenstimmungen abzulegen und wieder optimistischer in die Zukunft zu blicken. Tatsächlich ist es die Aufgabe öffentlicher Verantwortungsträger, heute die Weichen für die Zukunftsstruktur von morgen zu stellen und Ökologie und Ökonomie zusammenzuführen.
Auf Grundlage der ausgezeichneten Forschungslandschaft und der vorhandenen Wirtschaftstärken der Steiermark (Umwelttechnologie, Automobilindustrie, Top-Marken und Qualitätsprodukte der Industrie) sollen die mannigfaltigen Aktivitäten in den Zukunftsbranchen in der Initiative „Green Jobs" gebündelt werden. Dabei sollen und müssen Insellösungen selbstverständlich vermieden, sondern einer ganzheitlichen Betrachtung unterzogen werden: Erneuerbare Energien mit Biomasse, Wasser, Wind und Solarenergie, Biotreibstoffe; die Forcierung von alternativen Antriebsformen mit Elektro- und Wasserstoffantrieben; die Fokussierung der angewandten Forschung auf Erneuerbare Energien und Klimaschutz sowie Energieeffizienz oder die intensive Auseinandersetzung mit „Neuen Berufen" sowohl in der Berufsberatung (Studierende) als auch in Qualifizierung und Weiterbildung sind hier ebenso hinzu zu zählen wie die gesellschaftliche Bewusstseinsbildung in Fragen der Mobilität, der Urlaubsgestaltung, des Transportwesens, der Regionalwirtschaft, nachhaltiger Landwirtschaft und Gebäudewirtschaft. Mehr noch: neben dem erfolgreichen Automobilcluster Steiermark wird ein so genannter Green-Cluster für Erneuerbare Energien und Umwelttechnik in der Steiermark entstehen, der auf den vorhandenen Ressourcen der Netzwerkorganisation ECO WOLRD STYRIA aufbaut, die Steiermark als Nummer 1 in der Energie- und Umwelttechnik etabliert und die „Green-Job-Initiative" befördert. Bereits jetzt sind über 140 Partnerunternehmen im Stärkebereich Umwelttechnologie Mitglieder von ECO WORLD STYRIA.
Der Green Cluster strebt allerdings eine noch stärkere Vernetzung mit dem Forschungsstandort Steiermark an: die Technische Universität Graz, die JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH oder die steirischen Kompetenzzentren stehen in dieser Hinsicht exemplarisch für viele weitere heimische Vorzeigeinstitutionen. So soll die Bewerbung der TU Graz um ein „Energy Center" (im Sinne eines Exzellenzknotens) bestmöglich unterstützt werden. Innovative Elektroantriebe „made in Styria" werden ihre Forschungsanstrengungen deutlich erhöhen. Eine top-aktuelle Einschätzung des Marktes in diesem Bereich ergibt, dass kurzfristig von der internationalen Automobilindustrie zahlreiche Projekte zu erwarten sein werden. In dieser Phase wird ein enormer Konkurrenzkampf der Entwicklungszentren stattfinden - und die Steiermark soll und muss auf diesem Gebiet Vorreiter bleiben. Last but not least sollen 100 Biowärmeprojekte im Rahmen des Konjunkturpakets des Bundes zur Umstellung von Dienstleistungsgebäuden entstehen.
Für einen gebührenden Auftakt des Großvorhabens sorgte ein Symposium am 10. Juni 2009.
"ERSTAUSGABE" - Journal für JungforscherInnen der Karl-Franzens-Universität Graz

An der Karl-Franzens-Universität Graz sind jährlich über 2.000 Studierende für Dokoratsstudien inskribiert; Zwei Drittel der DissertantInnen sind berufstätig, was vielfach zu einer Unterbrechung, Verzögerung oder überhaupt dem Abbruch des Dissertationsstudiums führt. Allein schon aus diesen Zahlen zeigt sich, dass gerade auf die Personengruppe der Dissertierenden und deren spezielle Bedürfnisse besonders geachtet werden muss, um ihnen den Einstieg bzw. eine konstruktive Einbindung in die Scientific Community zu ermöglichen.
Im Mai 2007 wurde die vom Universitätsbund (unter Hrn. Univ.-Prof. DDr. Harald Heppner) angeregte Studie "Wie zufrieden sind DissertantInnen unterschiedlicher Fakultäten der Karl-Franzens-Universität Graz mit ihrer Studien- und Lebenssituation?" erstmals präsentiert. Die Ergebnisse sind aussagekräftig: dem Kriterium der "Publikationsmöglichkeiten für NachwuchswissenschafterInnen" wurde kein zufriedenstellendes Zeugnis ausgestellt - 74,7 Prozent der weiblichen bzw. 56,3 Prozent der männlichen Studierenden waren/sind mit den Publikationsmöglichkeiten nicht zufrieden.
Der Präsentation der Ergebnisse folgte ein sorgfältiger Diskussionsprozess, um entsprechende Lösungen zu suchen. In diesem Zusammenhang entwickelten 3 Doktoratsstudierende (Ursula Mindler, Anna Steiner, Johannes Steiner) die Idee eines "Journals für JungforscherInnen" der Karl-Franzens-Universität Graz. Die Vizerektorate für Studium und Lehre sowie für Forschung und Weiterbildung waren maßgeblich an der Projektrealisierung beteiligt. Im Dezember 2008 erschien der erste Band des Journals mit dem Titel "Erstausgabe" im Uni-Press Graz Verlag.
ERSTAUSGABE verfolgt das Ziel, die Leistungen der Grazer JungforscherInnen und DissertantInnen in Form einer gedruckten Veröffentlichung im Grazer und internationalen universitären Umfeld sichtbar zu machen. Darüber hinaus werden dadurch eine bessere Vernetzung, ein optimierter Informationsaustausch und interdisziplinäre Forschung angeregt. Die Publikation versteht sich gleichsam auch als Leistungsbericht der Karl-Franzens-Universität Graz. Durch die Einrichtung eines explizit auf den wissenschaftlichen Nachwuchs abzielenden Publikationsorganes wird den jungen Menschen die Möglichkeit gegeben, in der Scientific Community Fuß zu fassen bzw. sich dort zu verankern. Eine erfolgreich gestartete Publikationstätigkeit ist vergleichbar mit einem Sprungbrett in eine akademische (Forscher)Karriere.
Band 2 der Publikation "Erstausgabe" wurde seitens der Abteilung 3 - Wissenschaft und Forschung unterstützt.
"Johann Joseph Fux – der KOMPONIST"

© Land Steiermark, Archiv
Die Johann Joseph Fux Gesellschaft ist Sammelpunkt aller Freunde und Förderer der Musik von Johann Joseph Fux (1660 - 1741); Der Verein verschreibt sich der Neubelebung, Pflege und Verbreitung der Werke mit dem Ziel, die Wertschätzung des großen Barockmusikers im europäischen Geistesleben zu „befördern", d.h. zu fördern und gleichzeitig zu vertiefen, und seine Tonschöpfungen der Musikwelt zu erschließen. Diese Ziele sollen entsprechend den Vereinsstatuten durch Editionen, Vorträge, Veröffentlichungen, Dokumentationsarbeiten und Fachtagungen erreicht werden, sprich: im Rahmen der einschlägigen wissenschaftlichen Arbeitsbereiche. „Wissenschaft" bezeichnet den Erwerb von neuem Wissen, seine Aufbereitung, Hinterfragung, Erörterung, Disputation, Vermittlung sowie grundsätzlich den Umgang mit dem menschlichen Wissen in seiner Gesamtheit.
Das vorliegende wissenschaftliche Projektvorhaben steht in diesem unmittelbaren Zusammenhang. Im Jahr 2010 jährt sich der Geburtstag des bedeutenden steirischen Komponisten zum 350. Mal. Zu diesem Anlass möchte die Johann Joseph Fux-Gesellschaft, die schon seit über 50 Jahren - und zwar mit großem Erfolg - die Verbreitung und Erforschung seines musikalischen Schaffens fördert, in diesem Jubiläumsjahr besondere, über Graz und die Steiermark hinaus gehende Akzente setzen. So wird in Zusammenarbeit mit der Kunstuniversität Graz sowie dem Johann Joseph Fux-Konservatorium eine Inszenierung der Oper „Orfeo ed Euridice" vorbereitet und das Oratorium „Il Mese di Marzo" einstudiert.
Die Wissenschaft kommt ncht zu kurz: Das für den Juni 2010 geplante wissenschaftliche Symposium wird Fux-Expertinnen und -experten aus der ganzen Welt in Graz versammeln. Denn noch immer verstellt die (historisch gleichwohl verständliche) Dominanz des Musiktheoretikers Fux den Blick auf den Komponisten - zu Unrecht. Anlässlich des 350. Geburtstages soll sich daher (erstmals!) ein wissenschaftliches Symposium ausschließlich dem kompositorischen Werk widmen. Die Veranstaltung berücksichtigt alle Gattungen, angefangen von Oper über Oratorien und Kirchenmusik bis hin zur Instrumentalmusik. Ziel ist darüber hinaus die Einordnung in den kompositorischen Kontext der Zeit.
Die Grazer Fachgespräche werden von einem Rahmenprogramm begleitet, u.a. von einer Ausstellung an der Univ.-Bibliothek der Kunstuniversität Graz mit Originaldokumenten zum Leben und Schaffen des Komponisten. Im Jahr 2011 soll darüber hinaus ein umfassender Tagungsband erscheinen.
Literatur- und kulturgeschichtliches Handbuch der Steiermark im 19. Jahrhundert - Online
Es gibt wohl viele Nachschlagewerke speziell zu den Themenspezifika Literatur- und Kulturgeschichte der Steiermark im 19. Jahrhundert. Eine vollständige (und für den "Laien" verständliche!) Darstellung aus dem Blickwinkel verschiedenster regionaler Besonderheiten in digitaler Form fehlt bislang. Diesem Desiderat widmet sich zurzeit das Institut für Germanistik der Universität Graz unter der Leitung von Frau Univ.-Prof.in Dr.in Beatrix Müller-Kampel . Das in Form einer Webseite geplante "Handbuch" wird zum einem eine Chronik der wichtigsten Ereignisse der steirischen Regionalgeschichte beinhalten, zum anderen über zahlreiche berühmte Steirerinnen und Steirer aus den Bereichen Literatur u. Theater, Musik und Bildende Kunst berichten. Das künstlerische bzw. kulturwissenschaftlichen Oeuvre wird dabei freilich in den Kontext der politischen sowie kulturwissenschaftlichen Geschichte unseres Landes gestellt, die Persönlichkeiten werden zueinander in Beziehung gesetzt. Gerade das 19. Jh. stellt eine Zeit des rasanten politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Umbruchs dar! Die nicht-deutschsprachige Dimension des Forschungsthemas soll durch Kooperationen mit einschlägigen Instituten der Universitäten Maribor und Ljubljana erschlossen werden, Vernetzung wird also groß geschrieben.
Als Ziel steht "am Ende" eine wissenschaftlich fundierte Darstellung der Kulturgeschichte der Steiermark mit den Ansprüchen auf Zuverlässigkeit und moderne Präsentation. Natürlich wird das Portal einer kontinuierlichen redaktionellen Bearbeitung unterzogen und im Laufe der Zeit erweitert werden - anders als eine Publikation in Buchform ließe sich dies relativ einfach und kostengünstig bewerkstelligen. Ein seriöses und akribisch recherchiertes Quellenverzeichnis ist dabei ebenso wichtig wie die Verfügbarkeit von Zusatzmaterialien (Porträt-Bilder und andere Bilddokumente; Nachlassbestände, Buchcover, Theaterzettel, Tondikumente und vieles andere mehr).
Wir freuen uns jedenfalls auf das "Förderungsprodukt"! Das Grazer Institut für Germanisitik verfügt mit "LiTheS" (Literatur- und Theatersoziologie) über einen noch sehr jungen, besonders innovativen Lehr- und Forschungsschwerpunkt und landete schon prompt einen "Treffer" im doch sehr strengen Förderungsauswahlverfahren des FWF, des Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung (Forschungen zu "Kasperl & Co").
Und hier gehts zu
"LiTheS"....
Karl Acham: "Kunst und Geisteswissenschaften aus Graz"

Der neue Sammelband der Reihe Kunst und Wissenschaft aus Graz von Karl Acham ist kürzlich erschienen! Es handelt sich um die Forsetzung eines ursprünglich auf 2 Bände angelegten Unternehmens. Der erste Teilband erschien 2007 unter dem Titel "Naturwissenschaft, Medizin und Technik aus Graz". Diesem sollte ein zweiter Band über die Kunst-, die Geistes- und Sozialwissenschaften folgen. Nun hat sich allerdings das Material als so umfangreich erwiesen, dass der geplante 2. Band geteilt wird: der vorliegende zweite Band umfasst daher die Kunst- und Geisteswissenschaften, während der dritte Band zu Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Kürze heraus gegeben wird.
Es gibt wohl zahlreiche, auf die Steiermark und auf Graz bezogene historische Entwicklungsgeschichten. Erwähnt seien etwa - exemplarisch - die der steirischen Geschichte gewidmeten Monographien von Franz Martin Mayer und Hans Pirchegger, das Große Steiermark-Buch von Walter Zitzenbacher, weiters das Buch Die Steiermark im 20. Jahrhundert von Stefan Karner, die 2bändige Geschichte der Stadt Graz von Fritz Popelka, die von Werner Strahalm erarbeitete Stadtgeschichte sowie - last but not least - die im Jahr Kulturhauptstadtjahr 2003 im Auftrag des Kulturamtes der Stadt Graz herausgegebene Geschichte der Stadt Graz. So minutiös und fundiert diese Texte aufgearbeitet sein mögen, so fällt eines auf: der Geschichte der Wissenschaft im Allgemeinen, der Geschichte der Geisteswissenschaften im Besonderen, wurde nur sehr geringe Aufmerksamkeit zuteil (eine Ausnahme bilden lediglich die langeschichtlichen Werke von Hans Pirchegger und Sefan Karner sowie der von der Historischen Landeskommission heraus gegebene, wertvolle Sammelband "800 Jahre Steiermark").
Deneben gibt es noch eine Reihe von zum Teil sehr eingehenden, auf einzelne Disziplinen und Spezialthemen bezogenen Darstellungen, aber an einer Gesamtdarstellung mangelte es nach wie vor. Bis heute. Denn der Sammelband "Kunst und Geisteswissenschaft" reflektiert die in Geistes- und Kulturwissenschaften erbrachten herausragenden Leistungen von Grazer Forscherinnen und Forschern.
Karl Acham geht es keinesfalls um Gegenwartsflucht zur Befassung mit ruhmreicher Vergangenheit von Kunst- und Geisteswissenschaften. Es geht um das Erinnern einer respektablen Tradition, in einem durchaus zukunftsbezogenen Sinn.
Karl Acham ist Soziologe, Philosoph und Wissenschaftshistoriker von hohem Rang. Das Buch erschien im Böhlau Verlagshaus.
"St. Jakob am Mitterberg - Romanische Kirchenruine und abgekommene Burg"
Seit dem Jahr 2000 werden an der seinerzeitigen Kirchenruine St. Jakob am Mitterberg (Bezirk Murau) Restaurierungs- und Wiederaufbauarbeiten durch den "Verein zur Erhaltung und Erforschung der Österreichischen Baukultur" durchgeführt, die von einer detaillierten händischen Bauaufnahme der erhaltenen Originalbausubstanz begleitet werden. In den Jahren 2008 und 2009 wurden die Bauforschungen durch gezielte archäologische Ausgrabungen im Kircheninneren sowie im Bereich des markanten Kirchhügels ergänzt. Dabei konnte festgestellt werden, dass sich die in ihrem Kern aus dem 13. Jahrhundert stammende romanische Kirche St. Jakob an der Stelle einer beinahe vollständig abgetragenen Burganlage des 11. Jahrhunderts befindet. Von Historikerseite wurde bereits vermutet, dass sich die kleine Eigenkirche St. Jakob aus einer abgekommenen Burgkapelle entwickelt hat. Obwohl diese Kapelle bislang weder in der erhaltenen Bausubstanz noch in archäologischer Hinsicht erfasst werden konnte, belegt der Nachweis der Existenz einer Vorgängerburg diese Hypothese.
Die über mehrere Jahre baubegleitenden durchgeführten Bauaufnahmen ermöglichten eine detaillierte Analyse der Baugeschichte der Kirche St. Jakob, die schon allein aus kunsthistorischer Sicht - insbesondere aufgrund der seltenen Darstellung einer Jakobsleiter - Beachtung verdient. Die interdisziplinär verknüpften Aktivitäten und Untersuchungen in den Bereichen Bauforschung, Kunstgeschichte und Restaurierungstechnik sind in der Steiermark als pionierhaftes Modell zu betrachten. Zurzeit arbeiten die ExpertInnen des Vereins an der monografischen Vorlage sämtlicher Ergebnisse im Sinne einer Synthese der einzelnen Wissenschaftszweige. Die geplante Monografie soll auch als eine Art "Handbuch" für eine umfassende Bauforschung nach modernen Gesichtspunkten betrachtet werden.
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Homepage des "Vereins zur Erhaltung und Erforschung der Österreichischen Baukultur"
Basisbildung Oberes Murtal
© Copyright: Bildungsnetzwerk Steiermark
Ausreichende Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Schreiben, Rechnen und im Umgang mit dem Computer sind heute mehr denn je notwendige Voraussetzungen, um einen sicheren Arbeitsplatz zu bekommen, an Weiterbildungen erfolgreich teilzunehmen oder um sich „bloß" persönlich weiter entwickeln zu können. Das Modellprojekt „Basisbildung Oberes Murtal" setzt neue Impulse in der Region. Damit wird eines der wichtigsten Zukunftsthemen aufgegriffen und gemeinsam von regionalen BildungsanbieterInnen, VerantwortungsträgerInnen in Politik und Wirtschaft, dem AMS und regionalen AkteurInnen bearbeitet - gemeinsam werden grundlegende Daten in Bezug auf Basisbildung erhoben, die Größenordnung und der Bildungsbedarf in der Region Oberes Murtal analysiert und konkrete Kurs- und Beratungsangebote entwickelt.
Die Analyse der Zielgruppen in der Region Oberes Murtal ergaben teils erschreckende Zahlen, zB: 90 jährliche PflichtschulabgängerInnen mit ungenügenden Leistungsbeurteilungen und keiner weiteren Ausbildung pro Jahr; ca. 670 Lehrlinge mit geringen Basisbildungskompetenzen etc.
Es geht daher auch und vor allem um Bewusstseinsbildung: die Menschen im Oberen Murtal sollen gezielt über die Notwendigkeit und die Bedeutung von Basisbildung informiert werden. Überhaupt ist die Sensibilisierung ein wichtiges Projektanliegen. Um mit dem Thema eine möglichst breite Zielgruppe zu erreichen, werden Informationsmaterialien aufbereitet, Vernetzungstreffen und Info-Workshops angeboten und eine Fachtagung organisiert. Auch für die Ausbildung von BasisbildungstrainerInnen ist gesorgt. Die Erkenntnisse dieses steirischen Vorzeigemodells und Pilotprojektes können in weiterer Folge auf andere Regionen in der Steiermark, ja in ganz Österreich übertragen werden.
Das Bildungsnetzwerk Steiermark ist die Koordinationsstelle der steirischen Erwachsenenbildung. Hier gehts zur
Homepage...
Universitätsmuseen der Karl-Franzens-Universität Graz

© Karl-Franzens-Universität Graz
Wissenschaft ist ein Motor für Entwicklung - Wissenschaftliche Forschung tangiert uns alle und durchdringt sämtliche Lebensbereiche des Menschen. Nur sehr zögerlich wurde etwa noch zu Ende des letzten Jahrhunderts „Lust auf Wissenschaft" geweckt. Die zwar grundsätzlich interessierten BürgerInnen fanden nur vereinzelt Gelegenheit, sich gleichsam aus erster Hand zu informieren und den heimischen Forschungsstandort auf seiner Zeitreise sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft zu begleiten. Dabei werden in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung täglich neue Erkenntnisse und neuartiges Know-how hervor gebracht. Dies gilt für die natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Fächer ebenso wie für die Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften. Das breite Interesse an Wissenschafts- und Forschungsthemen ist aber jedenfalls im Kommen, man denke etwa an die zahlreichen Life-Sciences-Medien, die spannende „Erzählungen" anzubieten haben. Wissenschaftliche Forschung muss allerdings auch anhand konkreter Beispiele vorgestellt werden. Die Einrichtung eines ‚Wissenschaftserlebnishauses' ist in diesem Zusammenhang eine unverzichtbare Strategie einer Universität, um den Kern und das Wesen der Forschung einer breiten Bevölkerungsschicht begreiflich zu machen.
Unter der Leitung der Vizerektorin für Forschung und Weiterbildung, Frau Univ.-Prof.in Dr.in Irmtraud Fischer, hat die Karl-Franzens-Universität Graz einen überfakultären Leistungsbereich „Universitätsmuseen" eingerichtet, der wissenschaftshistorisch relevante Sammlungen und bereits vorhandene Museen (zB Kriminalmusum, Haus der Wissenschaft) zusammen fasst, ein detailliertes forschungsrelevantes Gesamtinventar erstellt und in Verbindung mit konkreter aktueller Forschung öffentlichkeitswirksam präsentiert. Das ambitionierte Vorhaben verfolgt mehrere Ziele, allen voran die Aufbereitung eines virtuellen Forschungsmuseums sowie die Sicherung gefährdeter Sammlungen und deren Einbettung in ein „going public-Konzept". Einerseits soll der Dialog mit einer breiten Öffentlichkeit in Gang gesetzt und andererseits Wissenschaft und Forschung (be)greifbar gemacht werden. Zum Leiter des Leistungsbereiches „Universitätsmuseen" wurde Herr Univ.-Prof. Dr. Dieter Binder bestellt. Zurzeit bestehen an der Karl-Franzens-Universität Graz folgende Sammlungen und sollen in einem Haus zusammengefasst werden:
- Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich
- Botanischer Garten und Gewächshäuser
- Diathek des Instituts für Kunstgeschichte
- Fotothek des Instituts für Kunstgeschichte
- Franz Nabl-Institut für Literaturforschung
- Gipsmuseum - Abguss-Sammlung des Instituts für Archäologie
- Hans Gross-Kriminalmuseum
- Haus der Wissenschaft / ehem. Zeitgeschichtelabor
- Kabinett physikalischer Kostbarkeiten
- Mediathek der Universitätsbibliothek Graz
- Oral-History-Archiv des Instituts für Wirtschaft-, Sozial- u. Unternehmensgeschichte
- Sammlung Experimentalpsychologisches Laboratorium am Institut für Psychologie
- Sondersammlungen der Universitätsbibliothek
- Universitätsarchiv der Karl-Franzens-Universität Graz
- Vasensammlung des Instituts für Archäologie
- Zyprische Sammlung des Instituts für Archäologie.
"Frauenforschung"

© Archiv des Landes Steiermark
Zahlreiche Forschungsprojekte verschreiben sich explizit der Frauenförderung oder dem Geschlechterstudium, und das öffentliche Bewusstsein für Frauenthemen wird erfreulicherweise zunehmend geschärft. Doch es gibt bislang keine einheitliche und durchgängig aufbereitete Geschichte steirischer Frauen - diese Lücke will mit dem vorliegenden, wissenschaftlichen Vorhaben geschlossen und entlang von drei zentralen Linien durchgeführt werden: Politik und Recht; Wirtschaft und Arbeit sowie Kultur, Gesellschaft und Bildung. Am „Ende" steht das Ziel, 150 Jahre Geschichte (1848 bis heute) steirischer Frauen nachzuzeichnen, natürlich immer nach den theoretischen und allerneuesten Erkenntnissen der Frauen- und Geschlechterforschung. Das Projekt steht unter der Leitung von Frau Univ.-Prof.in Dr.in Anita Prettenthaler-Ziegerhofer (Institut für Österreichische Rechtsgeschichte u. Europäische Rechtsentwicklung) sowie Univ.-Prof.in Dr.in Karin Schmidlechner (Institut für Geschichte).
Einzelne Themenbereiche bzw. Zeitabschnitte sind mehr, andere weniger gut erforscht: die Situation steirischer Frauen in der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Genese der heimischen Frauenvereine (hier ist nicht nur die frühe Phase, sondern auch das gesamte 20. Jahrhundert relativ gut dokumentiert) oder die Geschichte der „neuen" Frauenbewegung zählen zu den am ausführlichsten behandelten Forschungsbereichen. Besondere und dringende Desiderate der Frauenforschung bestehen nach wie vor in der Zeit VOR 1945. So gibt es etwa neuere Forschungen über die Rolle der Frau in und nach dem Zeiten Weltkrieg, doch kaum eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der „Vorgeschichte". Dies mag verschiedenste Ursachen haben: schließlich ließen Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg die Traumata des Ersten Krieges nicht selten in den Hintergrund treten. Und die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist überhaupt nahezu unbearbeitet - ein alles andere als befriedigender Stand.
Die Grazer Expertinnen unter der Leitung von Frau Univ.-Prof.in Dr.in Anita Prettenthaler-Ziegerhofer und der Historikerin Frau Univ.-Prof.in Dr.in Karin Schmidlechner, beide sind eine Spezialistinnen auf dem Gebiet der heimischen Frauenforschung, widmen sich diesen weißen Flecken auf der Landkarte der steirischen Frauenforschung und rücken speziell jene Menschen in das Zentrum forschender Betrachtung, die von 1848 bis heute politisch aktiv waren. Frauenforschung ist immer auch Geschlechterforschung - das vorliegende, ambitionierte Publikationsvorhaben soll demnach auch kein einseitiges oder oberflächliches Emanzipationsprojekt darstellen, sondern eine ernsthafte wissenschaftliche Untersuchung der komplexen historischen Rolle der Frauen in unserem Bundesland (demnach sind selbstverständlich auch männliche Forschende in das Projekt eingebunden).
Besonders großer Wert wird auf die biografische Ebene gelegt: aktive und herausragende Persönlichkeiten werden ebenso vorgestellt wie das (weitaus größere) Spektrum an bemerkenswerten Frauen, die bloß keine „Geschichte" geschrieben respektive die sich namentlich nicht exponieren konnten oder durften. Das Board der beteiligten Wissenschafterinnen und Wissenschafter ist interdisziplinär besetzt - nur so macht eine systematische Aufarbeitung des Themenbereiches Sinn. Der Projektfokus liegt somit nicht ausschließlich auf der politischen Geschichte und ihren gesellschaftlichen Ursachen, sondern ebenso sehr auf erfahrungs- und kulturhistorischen Aspekten. Auch institutionsgeschichtliche Anstrengungen oder Längsschnitte über einzelne Berufsgruppen sollen unternommen werden. Damit verbindet sich freilich wiederum der Anspruch, die Zersplitterung in „Einzelthemen" zugunsten eines großen Ganzen zu vermeiden. Die Arbeiten erfolgen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, grundsätzlich in der Steiermark bzw. an steirischen Archiven. Die Literaturforschung, die in den ersten beiden Jahren des insgesamt dreijährig angelegten Projektes erfolgen soll, findet vornehmlich in den Grazer Bibliotheken statt; im dritten und letzten Projektjahr soll ein wissenschaftliches Werk in Form einer Monografie erscheinen.
*Väter als männliches (Rollen)Vorbild"

© Online-Archiv des Landes Steiermark
Österreichs Kinder wachsen ohne Männer auf! Dieses Statement mag sich provokant anhören, kommt der Wahrheit aber relativ nahe, zumindest was Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. Volksschulen betrifft. Nur ca. 2 Prozent des pädagogischen Personals in den Kindergärten bzw. 7 Prozent in den Volksschulen sind männlich! Während die Wirtschaft eine mehr oder weniger typische Männerdomäne darstellt, ist die Kindererziehung bis zum Ende der Volksschule in den meisten Fällen automatisch „Frauensache". Die Folgen bleiben nicht aus: Gesamtgesellschaftlich gesehen kommt es zu einer Rücknahme der männlichen Rollenvorbilder. Dass auch im privaten Umfeld ein Vater aus unterschiedlichen Gründen für das Kind nicht greifbar ist, erleichtert die Situation keineswegs.
Den Kindern und Jugendlichen fehlen also bis zum 10. Lebensjahr männliche Vorbilder bzw. Bezugspersonen. Mangels realer Vorbilder suchen und finden sie imaginären Ersatz - in Helden aus Comics, der Musikszene, der Video- und Spieleindustrie und anderen Unterhaltungssektoren oder Freizeitbeschäftigungsbereichen. Übernommen werden aber meistens nur Klischees, verherrlicht werden vornehmlich Idole, die mit der Wirklichkeit bzw. mit realen Personen nichts mehr zu tun haben und von Erwachsenen überwiegend abgelehnt werden, insbesondere von Frauen. Und so schaffen die jungen Menschen ihre eigene Welt außerhalb des Einflussbereiches der Mütter bzw. erziehungsberechtigten Frauen, ein teuflischer Kreislauf entsteht. Dass in vielen Fällen eine Frau bzw. Mutter schlicht nicht ausreicht, um den Junior bzw. die Juniorin für das Leben zu erziehen, kann oder will (v.a. in Zeiten der Frauenemanzipation und eines regelrechten gesellschaftlichen Anforderungskataloges an die Frau) oftmals nicht zugegeben werden!
Dabei motivieren aktive Väter die Identitätsfindung eines Kindes und leisten eine wichtige familiäre und gesellschaftliche Aufgabe. Väter müssen (ohne drohenden Verlust ihres „Ansehens" oder „Status") die gleichen Erziehungsaufgaben wahrnehmen können bzw. dürfen! Väter sind Rollen-Modelle, Spielpartner, Lehrer, Ernährer und vieles mehr. In der Erziehungswissenschaft, aber auch im gesellschaftspolitischen Diskurs und in der praktischen Lebenswelt wird die geringe männliche Repräsentanz in der Kindererziehung mittlerweile weitgehend als Problem begriffen bzw. als solches schon erkannt - der Bewusstseinsbildungsprozess hat also durchaus schon eingesetzt, bedarf aber noch viel intensiverer Anstrengungen und Aufklärungsarbeit. Schon seit den 1990er Jahren plädieren Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen für eine stärkere männliche Präsenz im erzieherischen Umfeld, da die folgenschweren Defizite im öffentlichen wie auch privaten Bereich gleichermaßen zu beobachten sind, und dies durchaus zum Nachteil der Kinder und Jugendlichen.
Das vorliegende wissenschaftliche Projektvorhaben des Vereins für Familien- und Gesundheitsmanagement (unter der Leitung von Arne Öhlknacht und Jürgen Pucher) wagt sich aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft hinaus und untersucht, wie die Rolle des Vaters von den Kindern konzipiert wird bzw. wie das Rollenvorbild Mann die Kinder für ihre eigene Zukunft prägt. Das Projekt setzt „in situ" an, nämlich bei der Zielgruppe selbst, also in direkter Zusammenarbeit mit den Kindern. Im Gegensatz zu bisherigen Untersuchungen, bei denen ausnahmslos oder zu einem überwiegenden Teil die Erwachsenen befragt wurden, sollen die Defizite nun unverfälscht, klar und eindeutig auf den Punkt gebracht werden. Die kindliche Unbefangenheit verdient einen ebenso ehrlichen Umgang mit angenehmen oder auch weniger angenehmen Wahrheiten. Die Untersuchungsergebnisse sollen heutige, gängige, überholte, zukünftige und zugrunde liegende Vaterschaftskonzepte aufzeigen und die gemeinsame Qualitätszeit von Vater und Kind dokumentieren. Die Auswahl der in die Studie eingebundenen Kinder erfolgt nach demographischen Gesichtspunkten, repräsentativ auf ganz Steiermark verteilt und mit dem Landesschulrat abgestimmt.
EUROSUN 2010

© Archiv des Landes Steiermark
Die regelmäßig abgehaltenen wissenschaftlichen Veranstaltungen von AEE INTEC, dem Institut für Nachhaltige Technologien in Gleisdorf, haben sich zu einer international geachteten Marke auf dem Sektor Erneuerbare Energie entwickelt, bieten hervorragende Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen Austausch und erfüllen eine Drehscheibenfunktion zwischen Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. Das vereinsrechtlich organisierte Institut bewarb sich um die Durchführung der sogenannten „EUROSUN" 2010, Europas größter Solarthermiekonferenz - und gewann auch prompt das europaweite Auswahlverfahren. „EUROSUN" wird somit erstmals in der Steiermark, genauer in der Landeshauptstadt, stattfinden und vom 28. September bis 1. Oktober 2010 im Grazer Congress über die Bühne gehen. Erwartet werden 600 bis 800 TeilnehmerInnen aus ganz Europa, aber auch, weit darüber hinaus gehend, aus Übersee. Die Ausrichtung des größten Solarthermiekongresses, den Europa vorzuzeigen hat, bietet eine entsprechend gute Möglichkeit, die österreichische Vorreitertolle im Bereich Solarthermie verstärkt ins Licht zu rücken und dabei ein möglichst breites und buntes Publikum anzusprechen. Nicht zuletzt sollen weitere Kooperationen initiiert, die hervorragende Position Österreichs weiter ausgebaut und neue Chancen (sowohl für Forschung und Entwicklung als auch für österreichische Unternehmen) aufgezeigt werden. Die Konferenz findet alle zwei Jahre jeweils in einem anderen europäischen Land statt, zuletzt in Lissabon (2008).
Die starke internationale Beteiligung macht die Grazer Großveranstaltung zu einem Vorzeigemodell: Die erwarteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter VertreterInnen renommierter Forschungseinrichtungen, die sich mit dem Themenbereich Energie beschäftigen, werden die Gelegenheit nutzen und sich bei Fachvorträgen oder im persönlichen Kontakt mit den führenden ExpertInnen über neueste Forschungsergebnisse und Produkte informieren. Thermische Energie macht einen wesentlichen Anteil des weltweiten Energiebedarfs aus. Allein der Gebäudesektor verbraucht 35,3 % der Energieressourcen, von denen wiederum 75% für die Bereiche Raumheizung und Brauchwassererwärmung verwendet werden. Neben dem Gebäudesektor ist vor allem bei industriellen Prozessen und wärmeintensiven Dienstleistungen ein enormer Verbrauch thermischer Energie zu verzeichnen. Um die Kyoto-Ziele und auch die auf europäischer Ebene verpflichtenden Ziele, nämlich 20% des Energiebedarfes mittels Erneuerbarer Energie zu decken, erreichen zu können, ist die Anwendung von Solarthermie voraus zu setzen - diese ist ein unverzichtbarer Baustein für die Energieversorgung der Zukunft.
Im Bereich der thermischen Solarenergie spielen bei Forschung und Entwicklung insbesondere steirische universitäre wie auch außeruniversitäre Institutionen eine führende Rolle. Seit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union haben Forschungs- und Entwicklungs-Einrichtungen im Rahmen von Ausschreibungen rund 65 Projekte zu diesem Themenfeld in diversen Förderprogrammen „an Land" gezogen. Zur Absicherung der guten Position österreichischer Unternehmen bedarf es allerdings permanenter technischer Innovationen, der Erschließung neuer Anwendungsbereiche sowie begleitender Maßnahmen zur Sicherung der systemtechnischen Qualität. Die Veranstaltung EUROSUN bedeutet also - abgesehen von den Nächtigungszahlen und dem touristischen Mehrwert - einen enormen Wertschöpfungsfaktor für die gastgebende Region.
Der Begriff Nachhaltigkeit als Leitbild für zukunftsfähige Entwicklungen zur Lösung gegenwärtiger und zukünftiger Umweltprobleme kennzeichnet die Veranstaltungen von AEE INTEC. Verschiedenste Veranstaltungsblöcke (Fachvorträge, Diskussionsgruppen, Exkursionen, Fachausstellung, Plenarvorträge u.a.) sorgen für ein abwechslungsreiches und spannendes Programm.
Besuchen Sie die Homepage des Institutes unter
http://www.aee-intec.at/
"Einstein Junior" 2009/2010

© Land Steiermark
Möchte man insbesondere die junge Zielgruppe mit Inhalten aus der Welt der Wissenschaft begeistern, so ist der Bewusstseinsbildungsprozess keinesfalls zu unterschätzen: es bedarf mutiger WissenschafterInnen, die bereit sind, ihre (hochwissenschaftlichen) Erkenntnisse möglichst einfach darzustellen, sodass auch „unbedarfte" Interessentinnen und Interessenten erreicht werden.
Und es bedarf einer professionellen Plattform, um Kinder und Jugendliche auf spielerische und nachhaltige Weise an die Thematik Forschung und Entwicklung heran zu führen. Fantasie ist eines der Zauberworte: zu jedem wissenschaftlichen Thema kann eine Geschichte gefunden und können Beispiele aus dem Alltag gebracht werden - diese fördern das Verständnis und holen die Kinder dort ab, wo sie sind. Denn was Jugendliche von erwachsenen RezipientInnen unterscheidet: Kinder bringen ein besonders waches Interesse auf und verfügen über eine unverstellte Sicht der Dinge und eine ausgeprägte Neugier - sie fragen so lange, bis sie ein bestimmtes Problem verstanden haben. Ein Kind erwartet auch das Unerwartete und glaubt an unerschöpfliche Möglichkeiten (mit zunehmenden Alter orientieren wir uns mehr und mehr an Zahlen und Fakten).
In diesem Zusammenhang hat sich die steirische Initiative „Einstein Junior" von einem anfänglichen Pilotprojekt zu einem Vorzeigemodell entwickelt. Das Projekt ging erstmals zu Jahresende 2006 in den Start und wurde infolge des regen Echos und der zahlreichen begeisterten Rückmeldungen fortgeführt, nicht ohne gewisse Adaptierungen vorzunehmen. Auf
www.einstein-junior.at werden Fragen beantwortet, die von Schülerinnen und Schülern mit deren LehrerInnen ausgearbeitet werden; So gibt es auch nicht die klassische Rollenverteilung des/der Lehrenden und des/der Lernenden. Vielmehr ist der wechselseitige Wissensaustausch ein Leitmotiv. Die Fragen werden jedoch nicht über das Internet beantwortet, sondern direkt „vor Ort" - gemeinsam mit ausgewählten Unternehmen und Institutionen je nach Themenschwerpunkt und Unterrichtsfach - ausgearbeitet. „Einstein Junior" lässt der Interaktivität zwischen den einzelnen Zielgruppen (Kinder, Lehrende, Unternehmen) freien Raum. Schulklassen besuchen Unternehmen und umgekehrt, Schülerinnen und Schüler können jeweils einzeln in Unternehmen schnuppern oder sich an Tagen der offenen Tür ein eigenes Bild machen. Schwerpunkte ergeben sich aus den (gesellschaftspolitischen) aktuellen Problemstellungen und Herausforderungen unserer Zeit: Mobilität, Umwelt und Energie sind hier ebenso hinzu zu zählen wie die Themen Ernährung und Gesundheit oder Kultur und Kommunikation.
Die sehr jung und frech gestaltete Aufmachung von „Einstein Junior" erleichtert den Kontakt zum Medium Internet und steigert dessen Akzeptanz. Kinder und Jugendliche werden nachhaltig sensibilisiert und lernen die Welt der Wissenschaft, Forschung, Technologie und Entwicklung zu erfahren. LehrerInnen wiederum finden einen leichteren Zugang zum praxisorientierten Unterricht, Unternehmen profitieren von völlig neuen Sichtweisen und beugen der eigenen „Betriebsblindheit" vor. Kinder können sich online über Wissenschaft und Forschung, über wissenschaftliche Veranstaltungen oder neueste Forschungsmeldungen informieren. Die Idee der Kinderuniversität wird vorgestellt, heimische Größen aus Wissenschaft und Forschung werden beschrieben, Anleitungen zu Experimenten gegeben oder Geschichten zum Thema Forschung erzählt.
Interdisziplinäre Forschung in den Alpen
ANISA, der Verein für alpine Forschung, ist eine der wichtigsten Institutionen für die Erforschung der Besiedlungsgeschichte im hochalpinen Raum der Alpen.
Im Jahr 2009 hatte ANISA gleich zweifachen Grund zu feiern: der Verein beging sein 30jähriges Jubiläum, und vor 25 Jahren wurden in der "Lackofengrube" erstmals Reste urgeschichtlicher Almwirtschaft entdeckt. Diesen beiden Jubiläen wurde eine umfangreiche wissenschaftliche Publikation in Form einer Festschrift gewidmet.
Archäologie auf Almen bedeutet nicht nur das Aufspüren, Entdecken und Ausgraben möglichst alter Zeugnisse der Menschjeitsgeschichte, sondern auch die Bobachtung und Registrierung von anfangs eher "unspektakulären" Überresten des Almlebens der letzten Jahrhunderte: etwa Scherben von Keramikgefäßen oder Reste von Ofenkacheln, die von aufmerksamen WanderInnen in Wiesen und Msthäufen im Umfeld bestehender oder abgekommener Almhütten ebenso entdeckt werden können wie von ArchäologInnen, die sich einer professionellen Aufsammlung und einer systematischen Auswertung von Fundstücken und Forschungsergebnissen widmen.
Durch die jahrzehntelangen Begehungen und die dokumentierten Fundaufsammlungen auf Almen des Dachsteinmassivs und des Toten Gebirges hat der Vereinsobmann, Franz Mandl, eine einzigartige Materialbasis für die Keramikforschung eingerichtet und gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt pionierhaft umgesetzt.
Besuchen Sie die vereineigene Homepage unter
http://www.anisa.at/
© Verein ANISA
© Verein ANISA
© Verein ANISA
Mariazeller Dialog 2010: "Ethik der Umweltforschung und Umwelttechnik"

© Archiv, Land Steiermark
Der Mariazeller Dialog stand heuer im Zeichen der „Ethik der Umweltforschung und -technik" und damit auch in Zusammenhang mit den viel zitierten „Green Jobs". In einem nie zuvor dagewesenen Ausmaß wird die heutige Welt und hier insbesondere die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Natur von den technologischen Errungenschaften seit der beginnenden Industrialisierung und in weiterer Folge mit den damit einhergehenden fortschreitenden Globalisierungstendenzen geprägt. Höchste Zeit also, neben den Vorteilen und Annehmlichkeiten auch die Kehrseite der modernen Technologien in den Blick zu nehmen. Eine nahezu unersättliche Konsumgesellschaft hat ihren Preis und bleibt nicht folgenlos. Ein geeigneter Indikator ist der so genannte „ökologische Fußabdruck": der Ressourcenverbrauch der Menschheit übersteigt die Biokapazität der Erde bei weitem und stellt mithin eine der größten Herausforderungen für die bzw. unsere Zukunft dar. Um die Kyoto-Ziele und auch die auf europäischer Ebene verpflichtenden Ziele, nämlich 20% des Energiebedarfes mittels Erneuerbarer Energie zu decken, erreichen zu können, ist ein Umdenken und ein entsprechend breiter Konsens der Bevölkerung voraus zu setzen! Die drohende Verknappung der natürlichen Ressourcen (v.a. von fossilen Brennstoffen und Wasser), die Auswirkungen des Klimawandels, die sich immer stärker und öfter in meteorologischen (Natur)Katastrophen spürbar machen, die Zunahme von Umweltbelastungen sowie auch die Folgeerscheinungen der Finanz- und Wirtschaftskrise in Hinblick auf den Preisanstieg bei Rohstoffen und Nahrungsmitteln sind nur einige von vielen Gefahren, die an unsere Verantwortung für jetzige und zukünftige Generationen gemahnen.
Umweltforschung und Umwelttechnik müssen nicht a priori bzw. automatisch ethisch sein. Die österreichische Umwelttechnologie für „Green Jobs" ist aber gerade in finanziell/wirtschaftlich ungünstigen Zeiten ein wichtiger und richtiger Schritt, nicht nur im Sinne unserer Umwelt sondern auch im Dienst des heimischen Arbeitsmarktes. So birgt die Fokussierung auf den Umweltschutzbereich eine erhebliche Chance, der aktuellen Krise zu begegnen und gleichzeitig durch den verstärkten Einsatz von neuen Umwelttechnologien den Nachhaltigkeitsaspekt zu befördern. Gerade die Bereiche Ressourceneffizienz und Erneuerbare Energien verlangen mehr und mehr nach ethischer Reflexion. Ethische Implikationen im Spannungsfeld Umweltforschung und Umwelttechnologien standen daher im Blickpunkt des diesjährigen Ethik-Dialogs, der von 21. bis 22. Jänner 2010 im „Europeum" Mariazell über die Bühne ging. Mit Hilfe der Ethik soll der Bewusstseinsbildungsprozess verstärkt, nachhaltiges Handeln angeregt und langfristiges strategisches Denken gefördert werden. National und international anerkannte ExpertInnen sowie VertreterInnen aus Wirtschaft und Öffentlicher Hand setzen sich daher - disziplinübergreifend - mit den brisanten Fragen auseinander, hinterfragen gegebenenfalls dogmatische Positionen und versuchen, verhärtete Ansichten aufzubrechen und neue Denkansätze zu erarbeiten. Im Vordergrund steht dabei immer der verbindende und konstruktive Dialog.
„Die Entwicklung des Orchesterklangs in den Symphonien von W.A. Mozart"
© Kunstuniversität Graz
Wie lassen sich Werke eines Komponisten des 18. Jahrhunderts im Hinblick auf Orchestrierung und Klanggestaltung analysieren? Und warum ist Mozarts Musik klanglich so charakteristisch, obwohl seine kompositorische Sprache eine Synthese mehrerer Stilrichtungen der damaligen Zeit war?
Dies sind nur zwei der relevanten Fragestellungen, die für die vorliegende Thematik von grundsätzlicher und bereichsübergreifender Bedeutung sind. Eine große Anzahl an systematischen und methodologischen Studien erörtert formale, harmonische und thematische Aspekte der Musik. Hingegen wurden die Dispositionen (Anordnungen und Aufstellungen) in einem Orchester - zB das Verhältnis der im Orchester vertretenen bzw. eingesetzten Instrumente und deren Bezug zueinander - bislang in der musikwissenschaftlichen Forschung weitestgehend ausgespart oder nur unzureichend analysiert. Es existiert zudem nur wenig Literatur über die Gestaltung der „Basslinie", obwohl gerade der Konzeption einer Melodie- und Bassstimme in der Genese von Kompositionen des 18. Jahrhunderts eine herausragende Bedeutung zukommt. Die Instrumentationsanalysen der Symphonien Mozarts ergeben in diesem Zusammenhang ein Mustermodell, denn sie konzentrieren sich meist auf kurze Abschnitte eines Orchestersatzes, folglich fehlt ein (Gesamt)Überblick über die orchestralen Strategien in Symphonien.
In den letzten 20 Jahren ist eine Fülle an Abhandlungen über Ursprung und Entwicklung des Orchesters erschienen. Die Arbeiten ermöglichen einen Überblick über die Situation des Orchesters als Institution und dessen weitere Entwicklung. Bis vor einiger Zeit galt Mozart als Komponist, der allein im Kopf - ohne detaillierte Vorarbeit - komponierte. Doch neuere Studien beweisen, dass der Meister sowohl komplizierte Orchesterstellen als auch weniger komplexe Passagen teilweise mehrmals skizzierte; so sind auch Abschnitte zu finden, bei denen bestimmte klangliche Konstellationen von Anfang an fixiert wurden! Diese Stellen bilden nun den Ausgangspunkt des vorliegenden Forschungsprojektes: es handelt sich um den Versuch, das Orchesterwerk Mozarts im Hinblick auf die Instrumentation zu untersuchen und zugleich eine Methodik zu entwickeln, die erstens auf andere Besetzungen und zweitens auf Komponisten anderer Epochen anwendbar ist. Schwerpunktmäßig sollen Aspekte der Bassführung, der Unisonopassagen und der Oktavlagen in den Blick bzw. ins Gehör genommen werden. Nicht zuletzt können die neuen „Strategien" der orchestralen Gestaltung einen Beitrag leisten, die Echtheit einiger früher Symphonien Mozarts zu überprüfen: so können Kriterien entwickelt werden, die für eine Bestimmung der Authentizität von Mozarts Symphonik von Belang und im Hinblick auf Datierungsfragen besonders relevant sind. Ferner sind aus den musikwissenschaftlichen Studien wichtige stilistische Erkenntnisse über den Zeitraum um die Mitte des 18. Jahrhunderts zu erwarten. Mozarts symphonisches Frühwerk aus dieser Zeit könnte in der Folge entscheidend präzisiert werden.
Das Projekt ist Teil des strategischen Schwerpunkts „Forschungscluster Musikologie" der Kunstuniversität Graz. Das Projekt steht unter der Leitung von Hrn. Univ.-Prof. Peter Revers und ermöglicht die Projektmitarbeit eines Dissertanten: Mag.art Charris Efthimiou.
"Styrian Science Study"

© Internetarchiv des Landes Steiermark
Gerade in Zeiten der aktuellen Wirtschaftskrise wird von Expertinnen und Experten aus Österreich, der EU und der OECD immer wieder betont, dass (und wie sehr) sich Wissenschaft und Forschung als Zukunftsinvestitionen lohnen. Österreich liegt zwar innerhalb des Rankings der Europäischen Union an einigen Stellen bzw. bei einigen Indikatoren nicht im Spitzenfeld, die Steiermark dagegen hat mit einer F&E-Quote von 4,3 Prozent des BIP (Bruttoinlandproduktes) zweifellos die Nase vorn, nicht nur im österreichischen Vergleich: unser Land zählt tatsächlich zu den forschungsintensivsten Regionen innerhalb der EU. Im direkten Regionenvergleich weist die Steiermark gar die größte Dichte an Studierenden, Lehrenden und Forschenden auf.
Unlängst hat denn auch der Steirische Verband Selbständig Wirtschaftstreibender (kurz: VSW) mit einer Studie des Grazer Instituts für Volkswirtschaftslehre (Karl-Franzens-Universität) aufgewartet und auf die zentrale Aussage - die Bedeutung der steirischen Universitäten als Wirtschaftsfaktor - in mehrfacher Hinsicht hingewiesen. Von und an den Universitäten werden jährlich 1,2 Milliarden EURO umgesetzt, 11.000 Vollzeitarbeitsplätze stehen damit im direkten Zusammenhang.
In einem weiteren Schritt möchte der VSW Effekte, die über diese rein ökonomischen Faktoren hinausgehen, bisher aber nur wenig Beachtung in wissenschaftspolitischen Auswertungen fanden, erfassen. Zwei Themenpaare sind dabei besonders zu berücksichtigen: Migration & Demografie sowie Lebensqualität & Kultur. Der VSW plant daher eine wissenschaftliche Studie durchzuführen, um die positiven Auswirkungen der Universitäten auf den Wirtschaftsstandort Steiermark, sowohl was Lebensstandard und Wohlstand betrifft, als auch in Hinblick auf den demographischen Wandel, mit mess- und evaluierbaren Zahlen zu belegen. Mit in die Bewertung aufgenommen werden soll die Akzeptanz der breiten steirischen Bevölkerung, weiters sollen indirekte Auswirkungen (zB Public Awareness, Bildungs- und Forschungsorientierung. Innovationsbereitschaft) einer eingehenden Analyse unterzogen werden. Die „Styrian Science Study" geht dabei von zwei methodischen Ansätzen aus: einerseits einer Sekundäranalyse vorhandener Fachpublikationen und Quellen, andererseits einem primärstatistischen Verfahren. Die Ergebnisse, so der Idealplan, würden konkrete Handlungsempfehlungen respektive Vorschläge zu strukturpolitischen Maßnahmen ableiten sowie auch Erkenntnisse für die Medienarbeit und die Aktivierung von Öffentlichkeit generieren.
„Styrian Academy for Sustainable Energies", Technische Universität Graz

© Bildarchiv des Landes Steiermark
Energie ist mehr als eine physikalische Größe. Energie ist nötig, um einen Körper zu beschleunigen oder um ihn entgegen einer Kraft zu bewegen, um eine Substanz zu erwärmen, um ein Gas zusammenzudrücken, um elektrischen Strom fließen zu lassen oder um elektromagnetische Wellen abzustrahlen. Pflanzen, Tiere und Menschen benötigen Energie, um leben zu können. Energie benötigt man auch für den Betrieb von Computersystemen, für Telekommunikation und für jegliche wirtschaftliche Produktion.
Doch Energie ist nicht unbegrenzt, die natürlichen Ressourcen schwinden und die Folgen des Klimawandels lassen sich zwar abschätzen und in vielen Punkten dokumentieren, sind aber bei Zukunftsprognosen nicht bis ins allerletzte Detail oder mit allerletzter Gewissheit zu berechnen. Die Entwicklung systemischer, multi-regionaler und klima-freundlicher Zugänge zu nachhaltigen Energiesystemen sowie die Beförderung eines effizienten und nachhaltigen Energieverbrauches auf allen Ebenen kennzeichnen die Vision der Technischen Universität Graz. Das breite Themenspektrum soll in einem perfekten Zusammenspiel von exzellenter Forschung, Innovation und Lehre getragen und in einem neuen Wissens- und Innovationszentrum für Nachhaltige Energie in der Steiermark gebündelt werden.
Mehr noch, die ambitionierten und visionären Pläne der Technischen Unmiversität Graz werden um eine entscheidende Initiative ergänzt: der Installierung einer „Styrian Academy for Sustainable Energies". Internationale SpitzenforscherInnen, ausgewählte Postgraduierte sowie besonders begabte Studierende sollen zusammengeführt werden und gemeinsam mit führenden europäischen Technologie-Einrichtungen, vor allem auch mit steirischen Unternehmen, eine Plattform bilden. In mehrwöchigen, interdisziplinär konzipierten Seminaren unter der Leitung von renommierten GastprofessorInnen und SpitzenforscherInnen sollen Szenarien für künftige Technologien, Wirtschaftssysteme und Lebensräume entworfen und Strategien erarbeitet werden. Eine signifikante Erhöhung des Anteiles erneuerbarer Energien fordert nicht nur innovative technische Lösungsansätze, sondern vor allem auch innovative Konzepte und Ideen - kurz: ein gewisses Maß an Kreativität und Experimentierfreudigkeit, um wirtschaftliche, gesellschaftliche und strukturelle Barrieren aufzubrechen und so den Erneuerbaren Energien jene Marktanteile zu sichern, die für eine zukunftsfähige Energiewirtschaft voraus zu setzen sind.

