Navigation und Service

[Alt + 0] - Zur Startseite[Alt + 1] - Zur Suche[Alt + 2] - Zur Hauptnavigation[Alt + 3] - Zur Subnavigation[Alt + 4] - Zum Inhalt[Alt + 5] - Kontakt
Sie sind hier: 

Unser Förderungsarchiv - Nov. bis Dez. 2006

Abteilung 3 - Wissenschaft und Forschung

NanoSurface Engineering
 

Die Montanuniversität Leoben (Institut für Metallkunde und Werkstoffprüfung) beschäftigt sich intensiv mit der Entwicklung von Prozessen zur Herstellung von nanostrukturierten Schichtmaterialien. Diese Schichten werden eingesetzt, um Reibung und Verschleiß von Werkzeugen oder Bauteilen des Maschinenbaus zu reduzieren, vor Oxidation und Korrosion zu schützen, oder um funktionelle Aufgaben der Produktoberfläche mit speziellen sensorischen, optischen, optoelektronischen oder biokompatiblen Eigenschaften zu erfüllen. Das Ziel des vorliegenden, aus Mitteln der Abteilung 3 kofinanzierten Projektes ist die Implementierung der Forschungsinfrastruktur für das Gebiet Nano-Surface-Engineering in den drei Bereichen Beschichtungstechnologie, Schichtcharakterisierung und Anwendungstechnik.

Durch die Möglichkeit, das Schichtwachstum genau kontrollieren zu können, können Schichtstrukturen auf der Mikro- bis hin zur Nanometer-Skala reproduzierbar eingestellt werden. Damit eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, Schichten mit vorher nicht realisierbaren Eigenschaften oder Eigenschaftskombinationen herzustellen, z.B. mit einer Härte nahe an Diamant, Selbstanpassungsfähigkeit wie selbständige Erhöhung der Härte und Verschleißbeständigkeit bei hohen Temperaturen oder Selbstschmierung, Selbstreinigung oder Selbstheilung. Zur Realisierung dieser Ziele ist ein umfassendes Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Schichtwachstum, resultierendem Schichtaufbau, den damit verknüpften Schichteigenschaften und den Veränderungen der Schichtstruktur und -oberfläche während des Einsatzes notwendig. Das grundlegende Verständnis dieser Wechselwirkungskette wird für die Zukunft ungeahnte Möglichkeiten für ein maßgeschneidertes Design von Schichten auf der Mikro- bis hin zur Nanometerskala eröffnen und neue Anwendungen in praktisch allen Bereichen des Lebens eröffnen.

 
"Freund oder Feind"
 

„Freund oder Feind. Polyethische Staatsgebilde im Vergleich. Die österreichisch-ungarische Monarchie und das russische Zarenreich um 1900", so titelt das länderübergreifende, in minutiöser Detailarbeit vorbereitete Projektvorhaben, dem ein Kooperationsvertrag zwischen  der Karl-Franzens-Universität Graz (Geisteswissenschaftliche Fakultät) und der Russischen Staatlichen Universität für Geisteswissenschaften (RGGU) zugrunde liegt: Ziel der mehrjährig geplanten wissenschaftlichen Zusammenarbeit ist der wechselseitige Austausch von Studierenden und Lehrenden (Incomings und Outgoings) sowie die Einrichtung von jährlich stattfindenden internationalen Symposien und daraus resultierenden Publikationen. Am Ende der 3jährigen Fakultätspartnerschaft steht ein Beginn: die länderübergreifende Kooperation wird zu einer gesamtuniversitären Partnerschaft.

Externe Verknüpfung http://www.uni-graz.at/monarchien-im-vergleich/

Die gegenüberstellende Analyse der beiden geopolitischen, sozio-kulturellen Komplexe ist insofern von besonderem Interesse, als sich in beiden Regionen sehr ungleichartige Kultur- und Sozialräume nachweisen lassen. In einem bewusst transdisziplinär gehaltenen Forschungsansatz sollen beide Lebenswelten auf die jeweils ureigenen Spezifika hin untersucht werden, auf jene Besonderheiten, die der Multiethnizität sowie dem sprachlichen und religiösen „Anderssein" entsprungen sind. Es handelt sich bei diesen Themenschwerpunkten somit um höchst aktuelle Problem- und Fragestellungen! Die Fokussierung auf vergleichende Analysen der pluralistischen Strukturen und Ausformungen aus transdisziplinärer Sicht gilt als besonders innovativer Ansatz im internationalen Wissenschaftsdiskurs.

Geplant ist die universitäre Kooperation auf zwei Ebenen und drei erweiterten Schwerpunktbereichen - Mechanismen der Macht; Gesellschaftspolitische und soziale Determinanten; Wissenschaft und Kunst. Ein bestimmendes Projektelement ist das Bekenntnis zur akademischen Mobilität: die Partneruniversitäten verpflichten sich zum wechselseitigen Austausch von besonders qualifizierten Studierenden und NachwuchswissenschafterInnen der Fachbereiche Slawistik, Österreichische bzw. Russische Geschichte, Philosophie, Vergleichende Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Soziologie und Psychologie. Aus den gemeinschaftlich zu initiierenden Symposien erwachsen eigenständige wissenschaftliche Publikationen.

 
David Herzog-Fonds der steirischen Universitäten
 

In Erinnerung an die Ereignisse des Jahres 1938 und in der Absicht einen bleibenden Beitrag zur Förderung von Toleranz zu leisten, errichtete die Karl-Franzens-Universität Graz mit Beschluss des Akademischen Senates vom 11. März 1988 den interuniversitären „David-Herzog-Fonds" (DHF). Interkulturalität wird groß geschrieben: österreichische Studierende und israelische Studierende lernen voneinander, sie lernen zu verstehen und ihre Sensibilität auch für jene Aspekte zu schärfen, die nicht oder bisher nur marginal im öffentlichen Bewusstsein verankert sind - Erfahrung und Verständnis wollen „gelebt und erlebt" werden. der David-Herzog-Fonds ist heute eine gemeinsame Einrichtung aller fünf steirischen Universitäten.

Der wechselseitige Austausch beschreibt das Kernelement des David-Herzog-Fonds: seine Aufgabe ist es einerseits, Stipendien an jüdische (Gast)Studierende an österreichischen Universitäten oder Forschungseinrichtung zu vergeben (Incomings); Andererseits werden österreichische WissenschafterInnen, Graduierte und Studierende mit Stipendienbeiträgen unterstützt, um ihren Forschungs-, Gast- oder Studienaufenthalt an einer israelischen Universität zu verbringen (Outgoings). Und: es ergeben sich kontinuierliche wissenschaftliche Kontakte. Beginnend mit gegenseitigen Besuchen und Gastvorträgen über gemeinsam beantragte und realisierte internationale Forschungsprojekte bis hin zu dauerhaften Aufenthalten reicht die Palette der wechselseitigen Integrationsinitiativen.

Die Auswahl der StipendiatInnen erfolgt nach leistungsbezogenen und den jeweils aktuellen Entwicklungen des europäischen und außereuropäischen Hochschulraumes - insbesondere vor dem Hintergrund der akademischen Mobilität - angepassten Kriterien. So verpflichten sich die qualifizierten Studierenden, über ihren Studienaufenthalt einen eingehenden schriftlichen Bericht sowie eine Aufenthaltsbestätigung der Gastinstitution bis spätestens ein Monat nach Ablauf des Stipendiums an das Kuratorium des DHF zu übermitteln. Kommt der geplante Studienaufenthalt oder das geplante Forschungsprojekt nicht zustande, sind die gewährten Fondsmittel zur Gänze an den Fonds zu refundieren; Wird das Projektziel nur teilweise erreicht oder mangelt es am Fleiß bzw. Engagement des/der Studierenden, so sind aliquote Stipendienanteile zurück zu zahlen.

Der David-Herzog-Fonds steht für Offenheit, Toleranz, Verständigung und Internationalität: Seine Tätigkeit geht über bloße Symbolwirkung hinaus; die fruchtbringende Zusammenarbeit zwischen österreichischen und israelischen Studierenden, (Nachwuchs)WissenschafterInnen und Forschungseinrichtungen führen den Beweis für den großen Erfolg an. Das Land Steiermark (Wissenschaftsressort) genießt jährlich Einblick in die gewonnen Forschungsimpulse und fördert die Aktivitäten des David-Herzog-Fonds seit dessen Bestehen.
 
Umweltverträgliche Weinkühlung

Ziel des Projektes (JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH) war die Planung, Errichtung und Nutzung eines umweltverträglichen Kühlsystems, um den Bedarf an Kälte in einer Weinkellerei zu decken. Nach dem Prinzip „Kälte aus Wärme" wird zum Antrieb der Kältemaschine Wärme aus Sonnenenergie und Wärme aus der Verbrennung von heimischem Holzhackgut verwendet. Für diese Anwendung benötigt man Heißwassertemperaturen von 70 bis 80°C, was sowohl mit einfachen, marktgängigen Solarkollektoren als auch mit Biomasse-Verbrennungsanlagen, wie sie zur Raumheizung verwendet werden, möglich ist.

Künstliche Kälte wird in einer Weinkellerei bei folgenden Prozessschritten benötigt:

  • Während der Vergärung des Mostes (Weintraubensaftes) in großen Edelstahltanks.
  • Zur Kühlung und Luftentfeuchtung des Kühlhauses, in dem im Sommer die bereits in Kartons verpackten Weinflaschen lagern
  • Zur Weinsteinstabilisierung und Weinsteinausscheidung vor der Flaschenfüllung.
Diese Art der Kühlung benötigt Verdampfungstemperaturen unter 5°C, weswegen Kühlmaschinen mit Wasser als Kältemittel nicht mehr verwendet werden können. Die im Handel verfügbareren Absorptions-Kaltwassersätze mit dem Arbeitsstoffpaar Lithiumbromid/Wasser werden vor allem in Klimaanlagen verwendet und sind für diesen Einsatz nicht geeignet. Im Rahmen des Projektes wurde daher speziell für den Einsatz der Wärmequellen Sonne und Bioenergie eine Absorptionskältemaschine mit dem Arbeitsstoffpaar Ammoniak/Wasser geplant und ausgeschrieben. Ein steirisches Unternehmen bekam den Zuschlag und lieferte die Komponenten. Der Probebetrieb der Anlage begann im August 2003. Während der Weinernte und in der anschließenden Zeit der Weinvergärung wurde die Anlage zur Zufriedenheit in der Weinkellerei verwendet.

Diese Kühltechnik, deren Antriebsenergie in der Region nachhaltig verfügbar ist, trägt - wenn weitere Weinbauern in Österreich dem Beispiel folgen - in hohem Maße zum Innovationstransfer, zum Erreichen des Kioto-Zieles, zur Umsetzung des Weißbuches der Europäischen Union und zur nachhaltigen Regionalentwicklung bei.

 
Projekt "DAmalS" - Authentifizierung mittelalterlicher Schreiberhände
 

Das Grazer Institut für Germanistik (Univ.-Prof. Dr. Wernfried Hofmeister, Karl-Franzens-Universität Graz) wartet mit einem faszinierenden Projektkonzept auf: die Authentifizierung mittelalterlicher Schriftzüge und schreibender Hände ist auch im internationalen Vergleich als einzigartig zu bewerten. Für alle Fragen im Zusammenhang mit handschriftlicher Textüberlieferung aus mittelalterlicher Zeit ist der Grad der gesicherten Zuordnung von entscheidender Bedeutung. Es ist der individuelle Fingerabdruck, der es erlaubt, das Schriftsystem in seiner Spannung zwischen Norm und Individuum zu beurteilen oder die Interessen und Fähigkeiten verschiedener Schreiberpersönlichkeiten mit unseren Beobachtungen zur Mitgestaltung der Überlieferung und des Textbestandes in Zusammenhang zu bringen. Gerade aber im mittelalterlichen Codex, in Lieder- und Autorhandschriften lassen sich Schreiberhände nicht überzeugend identifizieren: das Schriftbild wirkt durchgängig einheitlich, die Individualität tritt zurück. In diffizilen Fällen liegen alle Unterscheidungsversuche letztlich nur im Auge des Betrachters.

Und genau hier soll das vorliegende Projekt „DAmalS" den Durchbruch von der subjektiven Interpretation zur maximalen Objektivität schaffen - und es ist ein wahres Pilotprojekt. Aufbauend auf den langjährigen Bemühungen maßgeblicher PhilologInnen sowie der fächerübergreifenden Paläographie reifte ein Plan zur Entwicklung einer völlig neuartigen Methodik: das menschliche Auge soll mittels neuester Technologien unterstützt werden. Gedacht ist an den Einsatz einer innovativen Datenbank, in die - vernetzt mit einem digitalen Bilddatensatz hochauflösender Schriftproben - zum einen die herkömmlichen Identifizierungsinformationen einfließen, zum anderen aber erstmals auch die Vermessungsergebnisse eines Hightech-Tools. Dieses Werkzeug soll von der Abteilung für Informationssysteme und Informations-Management, JOANNEUM RESEARCH, entwickelt werden. Ersten Projektvorbesprechungen und Testvorgängen zufolge scheint das Gelingen des ehrgeizigen Plans in greifbare Nähe gerückt. Die bereits vorhandenen Programme müssen allerdings in Verbindung mit anwendungsorientiertem Know-How auf mittelalterliche Schriftbilder abgestimmt und aufgerüstet werden, sodass charakteristische graphetische Elemente in verschiedenen Schreiberhänden wieder erkannt werden und diese Wiedererkennung durch entsprechende Zahlenreihen belegt werden kann. Dringendes Desiderat ist eine Machbarkeitsstudie: diese wissenschaftliche Pilotanalyse hat wahren Pioniercharakter und soll am Beispiel des Heidelberger „Codex Hugo von Montfort" (Landeshauptmann von Steiermark 1413-1415) angewandt werden. Die Handschrift ist wie keine andere dazu geeignet, ein aussagekräftiges Bild aus den Analysen zu zeichnen und die Leistungsfähigkeit der computergestützten Mustererkennung unter Beweis zu stellen.

 
Forschungspreise des Landes Steiermark 2006
 

Am 14. November 2006 wurden die Forschungs- und Förderungspreise 06 des Landes Steiermark verliehen (Weißer Saal, Graz - Burg). Frau Landesrätin Mag. Edlinger-Ploder führte durch das Programm und sorgte für ein stimmungsvolles und sehr persönliches Fest. Die Worte der Laudatoren sowie der Preisträgerin und der Preisträger eröffneten einen kleinen Einblick in die faszinierende Welt der Wissenschaft und Forschung - die Leistungen der heimischen Wissenschafterinnen und Wissenschafter sind im doppelten Sinne ausgezeichnet! Für die harmonische Begleitung sorgte das Trio "Sans Frontières" mit den Klängen von Wolfgang Amadeus Mozart sowie, abschließend, unserer Landeshymne.

  • Der Erzherzog-Johann-Forschungspreis 2006 des Landes Steiermark  wurde an Herrn Univ.-Prof. Dr. Wernfried Hofmeister für seine Arbeit "Hugo von Montfort - Das poetische Werk" verliehen:

    Die Publikation "Hugo von Montfort: Das poetische Werk" ist eine von Wernfried Hofmeister - Mediävist am Institut für Germanistik der Universität Graz -  initiierte und über mehrere Jahre hinweg durchgeführte Neuausgabe aller rund 40 lyrischen Texte des Grafen Hugo von Montfort (1357-1423); für einen ergänzenden Melodien-Abdruck konnte er die Musikwissenschafterin Agnes Grond gewinnen. Erschienen ist das Buch 2005 im renommierten Fachverlag Walter de Gruyter (Berlin). Es bietet zunächst überblicksartige Informationen über Leben und Werk dieses dichtenden Hochadeligen, der über Bregenz herrschte, aber schon um 1400 zum 'Wahlsteirer' (auf der Burg Pfannberg bei Frohnleiten) wurde, 1413-1415 das Amt des Steirischen Landeshauptmannes bekleidete und in Bruck an der Mur beigesetzt ist. Für den zentralen Textabdruck seiner kommentierten Studienausgabe hat der Grazer Altgermanist jene Methode einer 'dynamisch-mehrschichtigen Edition' angewandt, die er in Graz mit entwickelte und mittlerweile international bekannt machte, indem er sie im Falle Hugos von Montfort erstmals bei sog. Mehrfachüberlieferung anwandte. Entsprechend den Grundprinzipien dieser innovativen Editionstechnik finden sich die elektronischen Basistransliterationen sowie hilfreiche Materialien und Informationen auf einer eigenen, frei zugänglichen Editions-Homepage unter der Adresse http://www-gewi.uni-graz.at/montfort-edition.

  • Mit dem Forschungspreis 2006 des Landes Steiermark wurde Herr Univ.-Prof. Dr. Alfred Wagenhofer für seine Arbeit  "Worldwide Financial Reporting - The Development and Future of Accounting Standards" ausgezeichnet.

Dieses Buch analysiert die historische Entwicklung, den Stand und die aktuellen Regulierungsfragen der Finanzberichterstattung, der Rechnungslegungs- und Prüfungsstandards sowie der Corporate Governance in internationalen Kapitalmärkten. Die Globalisierung wird gerne dazu verwendet, um ein einheitliches internationales Regelwerk für die Finanzberichterstattung zu begründen. In diesem Buch wird argumentiert, dass globale Standards ein Wunschtraum bleiben. Auch wenn sie entwickelt werden können, werden sie nicht einheitlich in ihrer Anwendung bleiben. Die Analyse ist innerhalb Europas und damit auch für Österreich von großer gesellschaftspolitischer Relevanz. Das EU-Ziel einer Verbesserung der Effizienz von europäischen Kapitalmärkten hat dazu geführt, dass kapitalmarktorientierte Konzerne einer internationalen Rechnungslegung und einem Enforcement unterliegen. Auch die Anforderungen an die Corporate Governance werden laufend verstärkt. Weiter werden gerade internationale Rechnungslegungsstandards für nicht börsennotierte Unternehmen erarbeitet, und die EU strebt eine europäische Harmonisierung der Ertragsteuerbemessung von Unternehmen an. Das Buch argumentiert, dass nationale Standards dennoch auf die eine oder andere Art weiter bestehen bleiben.

  • Der Förderungspreis des Landes Steiermark ging an Frau Univ.-Ass. Dipl.-Ing. Dr. Kristina Sefc. Die ausgezeichnete Wissenschafterin wurde für ihre Arbeit "Genetic continuity of brood-parasitic indigobird species" geehrt.

    Sympatrische Artbildung, d.h. Artbildung ohne räumliche Trennung, war lange Zeit ein Zankapfel der Evolutionsbiologen, und nach wie vor mangelt es an Beispielen aus der Natur. Afrikanische Finken (Atlaswitwen, Gattung Vidua) überlassen wie die heimischen Kuckucke ihre Eier und Jungen der Obhut einer anderen Art. Anders als beim Kuckuck aber lernen die jungen Atlaswitwen den Gesang ihrer Zieheltern, und paaren sich nur mit solchen Artgenossen, die von der gleichen Wirtsart aufgezogen wurden wie sie  selbst, und das auch durch den entsprechenden Gesang kundtun. Weibliche Atlaswitwen wählen zur Eiablage wieder ein Nest ihrer Ziehelternart, so dass die Bindung an einen bestimmten Wirten auch in die nächste Generation weitergegeben wird. Legt ein Weibchen aber doch in ein Nest einer anderen Art, werden ihre Jungen auf den Gesang des neuen Wirts geprägt, und paaren sich nicht mehr mit anders singenden Artgenossen. Gibt es zu einem gegebenen Zeitpunkt mehrere auf den neuen Gesang geprägte Individuen, können diese sofort eine eigene Fortpflanzungsgemeinschaft bilden. Dass die Kolonisierung neuer Wirte zu sympatrischer Artbildung führen kann, zeigt die eingereichte Arbeit: Genetische Unterschiede zwischen Nutznießern verschiedener Wirtsarten zeugen von der durch Prägung verursachten reproduktiven Isolation.
 
"Nachlass Anni Gamerith" - Landesmuseum Joanneum

Eine erstmalige, wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung des Nachlasses von Frau Hon.-Prof. Dr. Anna Johanna Gamerith (1906-1990) zählt zu den dringenden Forschungsdesideraten der steirischen Volkskunde: das Landesmuseum Joanneum nahm sich dieser Aufgabe an und wird dabei aus Mitteln des Wissenschaftsressort des Landes unterstützt. Die als ausgesprochen naturverbunden bekannte Lehrerin „Anni Gamerith", wie sie sich selbst nannte, folgte erst im fortgeschrittenen Alter ihrer wahren Berufung, spezialisierte sich nach ihrem Studium der Volkskunde auf das Schwerpunktgebiet „Nahrung" und entwickelte sich zu einer ausgewiesenen Expertin. Gerade aufgrund ihrer vielfältigen Zugangsweise zu traditionellen Nahrungs- und Aufbereitungstechniken, auch und insbesondere aus ernährungs-wissenschaftlicher und biologisch-dynamischer Sicht, sind ihre Aufzeichnungen von inter- und transdisziplinärem Interesse. Die Analysen und Interpretationen von Dr. Gamerith fanden und finden heute noch hohe Anerkennung in der Fachwelt, haben sie doch an Gültigkeit bis heute nicht verloren. Jahrzehnte bevor dies üblich wurde, war sie eine der allerersten Ernährungswissenschafter(innen) und wurde zu ethnologischen Konferenzen in aller Welt geladen; sie war in besonderem Maße auch eine sehr innovative Wissenschafterin.

Einen Teil ihrer Auswertungen legte Dr. Gamerith zwar in Publikationen vor, ein bedeutender (und weitaus größerer) Teil des von ihr gesammelten und in akribischen Studien zusammengetragenen Materials harrt jedoch immer noch der Aufbereitung und Skription. Bereits nach erster Durchsicht des Nachlasses wird die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Systematisierung offenkundig. Die Bestände weisen einen hohen Wert als Primärquelle auf und bedeuten, so sie gesichert und inventarisiert werden, einen wahren Schatz für das Land Steiermark.

Aufbauend auf seiner Expertise entwickelte das Landesmuseum Joanneum das vorliegende Projektvorhaben und knüpft an den bereits vorhandenen Forschungsansätzen an: für die Durchführung der Forschungs- und Inventarisierungsarbeiten konnte Frau Mag. Michaela Steinböck-Köhler gewonnen werden.

 
"Auswirkung eines hoch intensiven Krafttrainings auf den Zelltod"
 

Eine der faszinierendsten Leistungen des menschlichen Körpers liegt in der Regeneration und Adaption vieler Zelltypen auf externe und interne Reize („Stimuli"). Hohe mechanische Belastungen, das ist auch dem Nicht-Mediziner bekannt, führen unweigerlich zu Gewebe- und Zellschädigungen. Die Überlastung von Reparaturmechanismen und (irreparable)  Schädigungen von Muskelzellen sind die logischen und zugleich auch gefährlichen Folgen. Elektronenmikroskopische Untersuchungen eines Muskelkaters weisen darüber hinaus eine vermehrte Ansammlung von Zellfragmenten im Blutsystem nach. Nicht ausreichend erforscht wurde in diesem Zusammenhang aber die Frage, ob ungewohnt hohe Ausdauerleistungen und Kraftsportbelastungen zum Zelltod führen - die Vermutung liegt nahe, und die Ergebnisse zahlreicher Vorstudien geben noch Rätsel auf. 

Diese zu lösen ist Ziel einer kürzlich in Angriff genommenen Studie des „Human Performance Research Graz" - des Zentrums für Bewegungswissenschaften und Sportmedizinische Forschung (Verbund der Karl-Franzens-Universität und der Medizinischen Universität Graz). Eine völlig neue Methode - die Quantifizierung zellfreier Nukleosomen - bietet eine allererste Möglichkeit, die Zelltodrate in vivo zu beobachten.  Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass ein Muskelkater induzierendes Krafttraining nach 1 bis 2 Stunden den rapiden Anstieg zirkulierender Nukleosomen bewirkt, dem wiederum zwingend ein vermehrter Zelltod voran gegangen sein muss. Sollten sich die Vermutungen im Rahmen des Projektvorhabens als richtig erweisen und der direkte Zusammenhang zwischen Krafttraining und Zellexitus zweifelsfrei belegt werden, so kann ein innovativer Forschungsansatz ins Leben gerufen und in der Steiermark interdisziplinär verankert werden - die weltweite Beachtung wäre gewiss.
 
Röntgenfluoreszenzspektrometer (RFA) zur Untersuchung von Schwermetallen

Das vom Land Steiermark erfolgreich durchgeführte Bodenschutzprogramm hat die Problemzonen mit stark überhöhter Umweltbelastung identifiziert. Zu den stark belasteten Regionen gehört der Raum zwischen Kapfenberg und Judenburg, der durch erhöhte Schwermetallbelastung, hohe Konzentration an Fluor und organischen Rückständen gekennzeichnet ist. In den Hartsteinwerken Preg wird Material, das aus dem Erdmantel stammt, wegen seiner besonderen Eigenschaften abgebaut und in großen Mengen als Wurfsteine, Schotter und Straßensplitt eingesetzt. Die Problematik dieses Materials liegt in den hohen Chrom- und Nickelgehalten dieses Gesteins (Serpentinit), die zu einer zusätzlichen Umweltbelastung führen. So sind Grenzwert überschreitende Konzentrationen von Chrom und Nickel in den Klärschlämmen der Kläranlage des Reinhalteverbandes Leoben feststellbar, die auf bisher nicht identifizierte Quellen zurückzuführen sind. Die von der Montanuniversität Leoben (Lehrstuhl für Allgemeine und Analytische Chemie) durchgeführten Untersuchungen von Schnee und Klärschlämmen sollen den Zustand, der über das steirische Bodenschutzprogramm hinausgeht, erfassen.

Aufgrund der Vielzahl an vorgesehenen Proben und der unterschiedlichsten Matrices ist eine einfache, zuverlässige und dennoch ausreichend empfindliche Bestimmungsmethode erforderlich. Hierzu ist die Anschaffung eines Röntgenfluoreszenzspektrometers (RFA) unbedingt erforderlich. Ein empfindliches RFA erlaubt die direkte Analyse von Böden, Gesteinsmaterial, Gräsern, Klärschlammen und flüssigen Extrakten mit minimalster Probenvorbereitung. Nur durch die Anschaffung eines solchen Messinstrumentes können Spuren-, Neben- und Hauptelementkonzentrationen verlässlich in einem Bereich von >1mg/kg bis 100 Gewichtsprozent erfasst werden. Durch die Anschaffung des RFA und die durch die Methodenentwicklung erworbenen Kompetenzen, ist eine Untersuchung international relevanter Problemzonen erhöhter Umweltbelastung, die sowohl durch geogene als auch anthropogene Ursachen hervorgerufen werden, möglich.
 
  • socialbuttonssocialbuttons
    socialbuttons