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Der Scheinindigo

Der Scheinindigo (Amorpha fruticosa), auch Bastardindigo, Bleibusch oder Hoher Falscher Indigo genannt, stammt ursprünglich aus dem Osten der USA, Kanadas und Mexikos. Die mehrjährige Pflanze wächst in Form von Sträuchern, zählt zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) und wurde schon Anfang des 18. Jahrhunderts in Europa als Zierpflanze eingeführt. In Europa besiedelt die invasive Art heute ausgedehnte Flächen an norditalienischen Flüssen, im ehem. Jugoslawien, in Ungarn, in der Südschweiz und sie verbreitet sich von Süden her in Österreich.

Erscheinungsbild

Der sommergrüne, verholzende Strauch wird bis zu 6 m hoch, zeigt einen aufgelockerten Wuchs mit sparrig verzweigten Grundästen. Die Blätter sind wechselständig, bis zu 30 cm lang und unpaarig gefiedert. Wie der Stengel sind sie kurz behaart oder kahl. Die Teilblätter haben eine aufgesetzte Spitze, sind 1-6 cm lang, oval bis lanzettlich, ganzrandig, kurz gestielt und die Unterseite ist zerstreut punktiert.
Der bis zu 20 cm lange, braunviolette bis blaue Blütenstand wächst in Form von Rispen und ist sehr kurz gestielt. Besonders auffällig sind die hervortretenden goldgelben Staubbeutel. Die Blüten sind 4-6 mm lange, eingerollte Kronenblätter, wobei Flügel und Schiffchen fehlen (nur bei dieser Fabaceae-Gattung). Die Blütezeit ist von Juni bis August.


Die Frucht des Scheinindigo, eine Hülse, wird 6-9 mm lang, ist grün (nach dem trocknen braun), drüsig und oft gebogen.

Wuchsbedingungen

Der Scheinindigo bevorzugt gut durchlässige, steinige Böden an vollsonnigen, geschützten Standorten, wobei er auch extrem trockene und sandige Stellen verträgt.

Aufgrund seiner Trockenheitsresistenz und starken Durchwurzelung wurde er oftmals zur Sicherung erosionsgefährdeter Böden gezielt gepflanzt. Außerhalb der Gärten findet die Pflanze Lebensräume in den Fluss- und Bachauen tieferer Lagen, auf Moorwiesen, in Kulturflächen (Brachen, Plantagen, Kiesgruben, etc.) und auch in Stadtgebieten.
Im Winter könnten die jungen Triebe etwas zurückfrieren, doch der Strauch treibt trotzdem ohne Probleme wieder aus. So ist auch eine starke Regeneration aus Trieb- und Wurzelstücken leicht möglich.
Da der Scheinindigo der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) angehört, ist er wie die meisten von ihnen in der Lage in einer Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobium) Stickstoff zu fixieren. Dieser wird aus der Luft aufgenommen und pflanzenverfügbar gemacht, wodurch die Nährstoffbedingungen im Boden verändert werden. So kommt es zu einer Dominianz des Scheinindigo, besonders in Auenwäldern nach anthropogenem Einfluss, und dadurch zum Ausschluss der einheimischen Auengemeinschaften, insbesondere an nährstoffreichen Standorten. Aufgrund seines schnellen Wachstums und der aktiven Vermehrungsfähigkeit verschwindet langsam die ursprüngliche Vegetation. Unter günstigen Bedingungen kann der Scheinindigo ganze Strauchlandschaften bilden. Ob die Art auch intakte Auenwälder besiedelt und verändert ist noch nicht geklärt, man zählt sie zu den Epökophyten (kulturabhängige Arten).

Einbringungswege

Die ersten Siedler in Amerika verwendeten die Pflanze als Ersatz zum Färben, da echter Indigo nicht verfügbar war. Nach Europa wurde Scheinindigo ursprünglich als Ziergehölz in Gärten und als Bienenweide importiert. Sein anschließender gezielter Einsatz als Pioniergehölz zur „Rekultivierung" erosionsgefährdeter Standorte setzte den Grundstein für seine Verwilderung und seine starke Ausbreitung auch in naturnahen Gebieten wie Flussauen. In den Fluss gefallene Samen werden stromabwärts getragen, und können neue Siedlungsgebiete erschließen.
Unbeabsichtigte anthropogene Verbreitung kann auf unterschiedliche Weisen erfolgen. So werden durch den Straßenbau an den Böschungen (dasselbe gilt auch für Eisenbahn-Trassen) Bestandslücken geschaffen, die einer neuen Besiedelung offen stehen.
Im wasserwirtschaftlichen Bau (Dämme, Buhnen, Sperren) kommt es zur Schaffung von Pionierflächen. Auf den so gebildeten „Landzungen" kann der Scheinindigo Fuß fassen, wenn es nicht gelingt, die offenen Flächen standartgerecht zu begrünen.
Andere Wege zur Verbreitung von Samen sind z.B. der Abbau von Kies für die Wegbefestigung, die Entsorgung von Gartenabfällen in die freie Landschaft, Deponierung von Bauschutt uvm.

Bekämpfungsmaßnahmen

Präventiv kann sofort nach der Blüte der Blütenstand geschnitten und verbrannt werden um die Bildung der Samen und damit deren Ausbreitung zu verhindern. Potentielle Standorte in der Umgebung sollten regelmäßig kontrolliert, und erste Vorkommen sofort eliminiert werden. Durch Bepflanzung solcher Flächen mit einheimischen und an die Umgebung angepassten Pflanzen kann die Besiedelung durch den Scheinindigo zumindest unterdrückt werden.
Generell sollten Gartenbesitzer die Art nicht mehr anpflanzen, auf keinen Fall aber sollten reife Fruchtstände kompostiert oder der Grünabfuhr mitgegeben werden.
Bei großen Beständen müssen die Sträucher ausgehackt oder maschinell ausgestockt werden. Wie die Blütenstände sollten auch die Pflanzen, die entfernt wurden, inklusive Wurzeln verbrannt werden. Befreite Flächen müssen jedes Jahr kontrolliert, und erneut auftretende Keimlinge gejätet werden.
Besonders das Eindringen des Scheinindigo in naturnahe Bereiche sollte wenn möglich verhindert werden.
Für die Landwirtschaft stellt der Scheinindigo bei regelmäßiger Bewirtschaftung kein Problem dar.
Durch die üblichen Bestellungsmethoden (Benutzung als Weidewiese und Grasland) kann in den Auenlandschaften die Artenvielfalt bewahrt werden.
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