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Der Waschbär (Procyon lotor)

Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Waschbär (Nordamerikanischer Waschbär oder früher auch Schupp genannt) ist ein mittelgroßes Säugetier. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet er sich auch in Europa. Waschbären sind seit den 1970er Jahren in allen österreichischen Bundesländern (außer dem Burgenland) vereinzelt vorzufinden. In der Steiermark wurde das Vorkommen des Waschbären 1985 bewiesen.

Das typische „waschen" seiner Nahrung in Gefangenschaft, gibt dem Allesfresser seinen Namen.

Waschbären gehören zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora) und zur Familie der Kleinbären (Procyonidae).

Waschbär 
Waschbär

Aussehen

Waschbären sind die größten Vertreter der Familie der Kleinbären (Körperlänge: 40-70 cm). Ihre Schulterhöhe kann bis zu 30 cm betragen und sie erreichen ein Gewicht von 5 bis 10 kg. Zu Winterbeginn kann das Gewicht doppelt so hoch sein. Die männlichen Tiere sind größer und schwerer als die Weibchen.
Im Vergleich zum restlichen Köper sind die Beine kurz. Am Boden bewegen sie sich eher hüpfend und bärenartig fort und sie sind gute Kletterer und Schwimmer.
Waschbären sind durch ihre schwarze durchgehende Gesichtsmaske und den bis zu 30 cm langen grau-schwarz gestreiften Schwanz zu erkennen. Sie haben ein langes wasserabweichendes Fell in den verschiedensten Grau- und Brauntönen.
Waschbären besitzen spezielle haptische Fähigkeiten. Ihre Vorderpfoten sind mit einer hypersensiblen dünnen Hornschicht umgeben. Diese wird durch Berührung mit Wasser aufgeweicht und noch sensibler. So können sie ihre Nahrung und andere Gegenstände abtasten. Eine weitere Besonderheit der Waschbären (im Gegensatz zu anderen Raubtieren) sind ihre fünf freistehenden Finger.
Waschbär Bild 2 
Waschbär Bild 2

Lebensräume

Das Verbreitungsgebiet der nachtaktiven Raubtiere sind gewässerreiche Laub- und Mischwälder, wo genügend Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten zu finden sind. Durch ihre große Anpassungsfähigkeit sind sie aber auch immer häufiger in Bergwäldern und Städten zu finden.
Der Mensch bekommt Waschbären selten zu Gesicht, da sie tagsüber in Baumhöhlen, im dichten Gestrüpp oder in Dachsbauten schlafen.
Waschbären leben je nach Gebiet als Einzelgänger oder in lockeren Kleingruppen. Normalerweise leben miteinander verwandte Weibchen in Gruppen zusammen und treffen sich an gemeinsamen Futterstellen und Schlafplätzen. Rüden, die nicht miteinander verwandt sind, leben in sogenannten „lockeren Rüdenkoalitionen". Das bedeutet, dass sie sich gemeinsam gegen fremde Rüden oder andere Angreifer verteidigen.
Mütter mit Jungen gehen erwachsenen Männchen so lange aus dem Weg, bis sich die Jungtiere selbst wehren können, da nicht-verwandte Männchen sehr aggressiv sein können.
Ist das Nahrungsangebot ausreichend vorhanden, treffen sich Waschbären an Futterstellen oder geeigneten Schlafplätzen zum gemeinsamen Schlafen, Fressen und Spielen.
Im April bringt das Weibchen 2 bis 4 Junge zur Welt, die bis zum Herbst bei ihr bleiben. Junge Weibchen bleiben danach trotzdem in der Nähe des mütterlichen Streifgebietes, während sich die jungen Rüden ein eigenes Revier suchen.
Laut Aussage des Zoologen Samuel I. Zeveloff ist der Waschbär eines der „omnivorsten Tiere der Welt". Er ernährt sich je nach Saison von Insekten, Würmern, Vogeleiern, Fischen, Pflanzen (Früchte, Mais,...), aber auch von Abfällen aus Siedlungen.

Einbringungswege

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Waschbären erstreckt sich über die gesamte USA, Panama, Mexiko und den Süden Kanadas.
In Europa wurden sie zur Pelzzucht eingeführt. Die Ausbreitung ist auf zwei Ereignisse zurück zu führen: 1934 wurden zwei Waschbärpaare in Mitteldeutschland ausgesetzt um „die heimische Fauna zu bereichern" und im 2. Weltkrieg entkamen nach einem Bombenangriff in Ostdeutschland etliche Tiere aus einem Waschbärgehege. Heute befindet sich der größte europäische Waschbärbestand in Mitteleuropa, wo Waschbären ein Problem darstellen.

Bekämpfungsmaßnahmen

Waschbär Bild 3 
Waschbär Bild 3
Durch die hohe Anpassungsfähigkeit nutzen Waschbären auch städtische Gebiete als ihre Lebensräume. Früchte aus Gärten und Speisereste aus Abfällen sind leichte Beute. Als Schlaf- und Wurfplätze werden außer Höhlen in alten Bäumen auch Gartenhäuser, Garagen und Dachböden genutzt, was unterschiedliche Reaktionen der Bevölkerung hervorruft. Diese reichen von der regelmäßigen Fütterung bis zur totalen Ablehnung. Ausgeleerte Mülltonnen und abgeerntete Obstbäume erscheinen harmlos, im Gegensatz zu den Schäden, die Waschbären durch die Nutzung von Dachböden verursachen. Einfangen oder Töten löst dieses Problem nur bei besonders aggressiven Tieren, da geeignete Schlaf- und Futterplätze meist mehreren Waschbären bekannt oder wieder schnell entdeckt werden. Präventive Maßnahmen (Äste zurück schneiden usw.) können verhindern, das die Tiere überhaupt in das Gebäude gelangen.
Die Jagd auf Waschbären in einem Gebiet, das einen geeigneten Lebensraum darstellt, ist meistens nicht sinnvoll, da sie eine hohe Fortpflanzungsrate aufweisen bzw. frei gewordene Gebiete rasch von anderen Waschbären aus der Umgebung besiedelt werden.
In Nordamerika besteht, außer den Schäden an Gebäuden und Gärten, auch große Gefahr für den Menschen sich mit Krankheiten anzustecken, die vom Waschbären übertragen werden, wie zum Beispiel die Waschbärtollwut. Diese Krankheit tritt in Europa nur vereinzelt auf. Hier stellt nur der Waschbärspulwurm eine Gefahr für den Menschen dar, der aber auch nur selten zu Erkrankungen führt, weil der Mensch einen Fehlwirt darstellt.

Copyright der verwendeten Abbildungen

Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Waschb%C3%A4r)
Ingo Bartusek (http://www.enok.at)
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