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FA10B: Ragweedprogramm

Beifußblättriges Traubenkraut © ambrosia.met.fu-berlin.de /ambrosia
Beifußblättriges Traubenkraut
© ambrosia.met.fu-berlin.de /ambrosia

Beim „Ragweedprojekt" handelt es sich um eine gemeinsame Aktion der


• FA10B, Abt. Pflanzenschutzdienst, mit Zuständigkeit für die Gemeinden, für „sonstige Flächen" wie Gemeindeflächen, Gemeindewege, Radwege, Freizeitanlagen, Privatwege- und flächen, usw.


• der Landwirtschaftskammer, mit Zuständigkeit für landwirtschaftliche Nutzflächen und Ackerrandbereiche, Hofflächen, sonstige Flächen der landwirtschaftlichen Betriebe


• der FA18, Abt. Straßeninfrastruktur und Straßenerhaltung, mit Zuständigkeit für Straßen und Parkplätze des Landes Steiermark, weiters über die ASFINAG für die Autobahnen


• der FA8A, Sanitätsrecht, für die Information der Amts-, Distrikt-, und Gemeindeärzte und Beistellen von Fachinformation betreffend die Gesundheitsgefährdung


• der FA13C Naturschutz und der FA19 Wasserwirtschaft
unter der Koordination der FA10B.


Die Ambrosie stellt ein abteilungsübergreifendes Problem dar. Mit dem gemeinsamen Programm soll ermittelt werden, welcher Handlungsbedarf für die einzelnen Fachabteilungen gegeben ist und welche Maßnahmen durchgeführt werden (müssen).
Ziel ist es, einen Überblick zu bekommen, aufzuklären und zu informieren, gezielt zu handeln und Synergien zu nutzen.

Maßnahmen der FA19 B

Merkblatt Ambrosie © FA19B
Merkblatt Ambrosie
© FA19B
Meldeblatt Ambrosie © FA19B
Meldeblatt Ambrosie
© FA19B

Information der Gemeinden und der Bevölkerung:


Die Information der Bevölkerung erfolgt via die Gemeinden. Z.B. wurden 2009 seitens der LK an 101 Gemeinden Ambrosie-Pflanzen und Informationsmaterial verteilt. Seitens der FA10B wurde ein Brief (Informationsblatt) und der u.a. Meldebogen an die Gemeinden versandt und wird mit den rückübermittelten Daten eine GIS-taugliche Datenbank aufgebaut. Einrichtung einer Ambrosie-Homepage (www.ambrosie.steiermark.at ).

Maßnahmen der Landwirtschaftskammer

Spezielle Information an die Landwirte (Maschinenring) erging über die Bezirkskammern und die Landwirtschaftlichen Mitteilungen. Seitens der Kammern gibt es eine aktive Beratung von Landwirten mit Ambrosie-Auftreten.


Als konkrete Maßnahmen werden Fruchtwechsel auf den befallen Flächen durchgeführt. Für 2010 sind Spritzversuche in Kulturen mit Kürbis, Sojabohne oder Mais-Käferbohne vorgesehen. Zur Zeit kann man noch kein gut geeignetes Herbizid empfehlen.


Für 2010 ist eine landwirtschaftliche Fachtagung zum Thema Ambrosie vorgesehen. Weitere Information über die Pflanze soll durch Flurbegehungen den betroffenen Landwirten vermittelt werden.


In der Schweiz, wo eine Bekämpfungspflicht besteht, wurden durch Ausreißen von Einzelpflanzen und Herbizidanwendung, Verbot von Kulturen, in denen sich die Ambrosie entwickeln kann und Fruchtwechsel, gute Erfolge erzielt (siehe Diskussion).

Maßnahmen der FA18

Die Ambrosiebekämpfung ist für den Straßenerhaltungsdienst eher eine „freiwillige" Angelegenheit, die Pflanze ist für die Straßenerhaltung keine Problemart, s.o.


Der Herbizideinsatz ist den Straßenverwaltungen per Erlass vom 5. Juni 2008 untersagt. Eine derartige Bekämpfung wäre nur von den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen (durch Landwirte bzw. im Umgang mit Spritzmitteln geschulte Leute) möglich. Ausnahme sind verdichtete Flächen (z.B. können das kleine Grünflächen oder Bankette sein, die von Asphaltflächen oder betonierten Flächen umgeben sind), wo der Herbizideinsatz erlaubt ist.


Die laufenden Bekämpfungsmaßnahmen mittels Maschineneinsatz haben die Grenzen des Möglichen und der Wirksamkeit schon gezeigt. Ing. Lanner, FA18A bezweifelt, dass die laufenden Maßnahmen als „Bekämpfung" beurteilt werden können, weil man durch die rasche Vermehrung und Verbreitung immer hinten her ist.


Ohne entsprechende Schulung der Mitarbeiter und ein, auf die Pflanze abgestimmtes „Mahdmanagement", ist die Bekämpfung nicht erfolgreich durchzuführen. Dennoch bleibt auch hier noch eine Restwahrscheinlichkeit, nicht alle Pflanzen erreichen zu können, bzw. wurde auch schon die Möglichkeit der „Selektion" auf einen niederwüchsigen Bestand angesprochen. Die Pflanzen bilden dabei schon in einer Höhe ab einem Dezimeter Blütenstände aus. Damit verdecken sie natürlich keine Straßenbegrenzungspflöcke, Verkehrszeichen oder Tafeln!


In diesem Jahr wird seitens des Straßenerhaltungsdienstes auch eine Kartierung der Vorkommen südlich der Mur-Mürz-Furche durchgeführt.

 

Die FA18 wirkt am Forschungsprojekt der BOKU: „Ausbreitungsbiologie und Management einer eingeführten, extrem allergenen Pflanze. Wege und Ursachen der Ausbreitung von Ragweed"; Projektleitung Dr. Gerhard Karrer, mit.


Im Bereich der Verkehrswege werden Probeflächen angelegt, an denen unterschiedliche Mahdzeitpunkte und -Mahdhäufigkeiten, sowie Grassamenmischungen getestet werden.


In der Schweiz wurde „aus politischen Gründen" ebenfalls auf den Einsatz von Herbiziden verzichtet (Bohren, 2010). Die Ambrosie wurde durch händisches Ausreißen bekämpft. Die Ergebnisse waren durchaus gut, siehe Diskussion.

 

 

Diskussion

Beifußblättriges Traubenkraut- Samen © www.arsgrin.gov/npgs/ images/sbml/Ambrosia
Beifußblättriges Traubenkraut- Samen
© www.arsgrin.gov/npgs/ images/sbml/Ambrosia

Bekämpfung der Ambrosie in der Schweiz(zitiert aus den Vortragsunterlagen von Christian Bohren von der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW, präsentiert bei der Burgenländischen Ragweedtagung im Februar 2010):


Allergische Reaktionen wurden in der Schweiz schon im Jahr 2000 nachgewiesen. 2005 wurden schon größere Bestände (>100 Pflanzen) nachgewiesen. Als eine der ersten Maßnahmen war es, Vogelfutter nur mehr frei von Ambrosiesamen verkaufen zu dürfen. 2006 wurde Ambrosie zum Quarantäne Organismus erklärt. Die darauf hin entwickelte Strategie sah eine flächendeckende Bekämpfung vor.


Ausgehend von der Hypothese, dass die Verhinderung der Samenbildung zur langsamen Ausdünnung der Bestände führt, wurde umfangreich informiert und Maßnahmen für die Allgemeinheit, für die Landwirtschaft und für den Straßenerhaltungsdienst gesetzt. Für Grundbesitzer gilt die Bekämpfungspflicht.


Ergebnis:
Die Maßnahmen beim Vogelfutter haben neue Standorte in Hausgärten sehr stark vermindert.
Die kleinen und mittleren Bestände in Gärten, Parkanlagen und an Straßenrändern ließen sich schnell tilgen.

Der Straßenunterhalt verzichtete auf den Einsatz von Herbiziden und war mit dem Ausreißen der Pflanzen erfolgreich. Bestände mit ca. 1000 Pflanzen waren in wenigen Stunden getilgt, im Folgejahr waren nur noch Einzelpflanzen vorhanden.
An Erdhaufen, Baustellen und Kiesgruben wurde die Bekämpfung mit Spritzungen Ende August (Glyphosate oder Florasulam) durchgeführt. Im Folgejahr waren auf diesen Flächen nur mehr wenige Pflanzen aufgekommen. Es gab keine Probleme nach dem Einbau von Erde (Oberboden).

In der Landwirtschaft war auf den Äckern eine deutliche Abnahme der Bestände (ca. 95%) zu verzeichnen. Es zeigte sich, dass die „mittlere" Lebensdauer der Samen weit unter den oft zitierten „bis 40 Jahren" liegt.

Die Schweiz hat das Ambrosie Problem durch die konsequente Umsetzung der Maßnahmen im Griff! Seit 2009 sind nur mehr wenige größere Vorkommen an Ambrosie aufgekommen. Einzelpflanzen sind aus den Hausgärten und öffentlichen Flächen mehr oder weniger verschwunden.
Die Vorgangsweise der Schweiz wäre für Österreich ein gutes Beispiel. Allerdings ist man hierzulande vom Befall her schon deutlich im Hintertreffen. Die Pflanze hat sich schon einige recht abgelegene Standorte erobert und die Maßnahmen sind großteils noch im Diskussionsstadium. Eigentlich weiß man noch nicht was man tun will und wer was tun soll. Die nachhaltige Bekämpfung wird ein Kraftakt sein müssen und ein so koordiniertes Vorgehen erscheint politisch eher schwierig umzusetzen.

 

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