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Biotoperhaltungsprogramm (BEP)

Vertragsnaturschutz ist eine Zauberformel, um wertvolle Biotope zu erhalten: Durch ein Miteinander von Bauer und amtlichem Naturschutz wird die Erhaltung ökologisch wertvoller Flächen sichergestellt. Dabei soll dem Landwirt der ökologische Wert seiner Wiesen und Weiden bewusst sein, damit er diese Flächen mit einer finanziellen Abgeltung seiner Leistung aus eigenem Interesse erhält.

Biotop Erhaltungs Programm
BEP

Zu diesem Zweck wurde bereits im Jahr 1987 vom Referat Naturschutz beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Abteilung 13, gemeinsam mit den Landwirtschaftskammern das Biotop-Erhaltungs- und Förderungs-Programm eingerichtet. Beim BEP handelt es sich um ein für das Bundesland Steiermark spezifisches Vertragsnaturschutzprogramm. Ziel dieses Programmes ist

die Erhaltung wertvoller extensiv bewirtschafteter Wiesenflächen,

das sind Wiesen, die nicht gedüngt und 1-2 x pro Jahr gemäht werden. Im Rahmen des Programmes erfolgt eine Leistungsabgeltung bzw. ein teilweiser finanzieller Ersatz von Ertragsentgang durch die Einhaltung verschiedener Auflagen.

Wozu extensive Bewirtschaftung?

Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind auf extensiv bewirtschaftete Wiesenflächen angewiesen. Viele Pflanzenarten können nur in ungedüngten Wiesen überleben. Bei Nährstoffzufuhr verschwinden sie, da sie sich gegen Gräser und Kräuter, die sich durch Düngung vermehren, nicht durchsetzen können. Die Vielfalt geht ebenso verloren, wenn die Wiesen zu oft gemäht werden. Durch zu frühe Mahd können beispielsweise die Samen manch seltener, gefährdeter oder vom Aussterben bedrohter Arten nicht ausreifen und sich somit nicht vermehren. Übrig bleiben jene Arten, die sich auf mehrmaliges Mähen einstellen und eine schnelle Samenproduktion aufweisen. Die bunte Vielfalt von Gräsern und Kräutern muss dann einem eintönigen Pflanzenbestand weichen. Aber auch Tiere, die auf ein reichhaltiges Kräuterangebot angewiesen sind, verschwinden in der Folge.

Artenreiche Wiesen dienen aber auch als Reservoir für Heil- und Gewürzkräuter. Sie liefern gesundes Heu für Vieh, aber auch wertvolle Kräuter für uns Menschen. Artenreiche, insbesondere magere Wiesen festigen zudem das Erdreich auf Hängen. Durch unterschiedliche Bewurzelungstiefe und -intensität von Gräsern und Kräutern festigen sie den Boden und verhindern somit Rutschungen und Abschwemmungen.

Wer kann beim BEP mitmachen bzw. welche Flächen sind geeignet?

Grundeigentümer, Pächter oder Bewirtschafter von Wiesen- und Weideflächen, Trockenrasen, Halbtrockenrasen, Magerstandorten, Hutweiden und Feuchtwiesen mit verschiedenen Landschaftselementen (Einzelbäume, Flurgehölze, Hecken usw...) können einen Antrag stellen. Wiesen- und Weideflächen, die eine besondere Bedeutung als Brut- und Nahrungsraum für geschützte Tiere aufweisen, werden ebenso ins Programm aufgenommen wie floristisch interessante Streuobstwiesen, die ungedüngt und artenreich sind. An dieser Stelle sei auch auf das EU - Landwirtschaftsprogramm ÖPUL - Nautrschutzmaßnahmen (Externe Verknüpfung ÖPUL: Pflege ökologisch wertvoller Flächen WF) verwiesen.

Wo gibt es das Formular und wie erfolgt die Aufnahme ins Programm?

Die Formulare liegen sowohl in den Bezirkskammern als auch in den Bezirkshauptmannschaften (Naturschutzreferat) und den Bezirksnaturschutzbeauftragten in den Baubezirksleitungen auf. Das Formular ist ausgefüllt bis zum 28. Februar des ersten Vertragsjahres  an die im Formular angeführten Sachbearbeiter zurückzuschicken. Die Adressen der Sachbearbeiter für die jeweiligen Bezirke findet man auf der letzten Seite des Formulares. Nach dem 28. Februar eingelangte Verträge werden erst im Folgejahr wirksam.

Die Bauern verpflichten sich mit der Unterzeichnung des BEP-Formulares, das gleichzeitig als Vertrag gilt, für die unter Vertrag genommenen Flächen aus ökologischer Sicht sinnvolle und notwendige Bewirtschaftungsauflagen einzuhalten, wie z.B.:

  • jährlich einmalige bzw. zweimalige spätere Mahd
  • Erhaltung oder Anlage von Feldrainen oder Flurgehölzen
  • Verzicht auf jegliche Düngung
  • Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel
  • Verzicht auf Beweidung (von Weichböden)
  • Verzicht auf intensive Teichbewirtschaftung
  • Verzicht auf Entsteinung
  • Verzicht auf Geländekorrektur
  • Verzicht auf Entwässerung
  • Verzicht auf Aufforstung
  • Entfernung von Mähgut
  • Ausweisung von Pufferzonen (mit Verzicht auf jegliche Düngung und Einsatz von Pflanzenschutzmittel)
  • Auszäunen

Die Art der flächenbezogenen Auflagen wird durch den Sachbearbeiter individuell für jede Vertragsfläche festgelegt und im Vertrag vermerkt.

Für eine Aufnahme ins Programm muß die Größe der Fläche mindestens 0,3 ha betragen und darf 3 ha nicht überschreiten. Ausnahmen können bei besonders wertvollen Biotopen genehmigt werden. Die Laufzeit für die Einhaltung der vertraglichen Verpflichtungen im Biotoperhaltungsprogramm betragen wahlweise 4 oder 6 Jahre.

Wie erfolgt die Bewertung?

Die entsprechenden Flächen werden durch naturkundlich ausgebildete Sachbearbeiter begutachtet und anschließend nach einem Punktesystem bewertet.

1. NATURSCHUTZ-wert ausgezeichnet

6 P. 5 P.
groß

4 P. 3 P.
mäßig

2 P. 1 P.
2. Notwendige Bearbeitung händisch

6 P. 5 P.
maschinell

4 P. 3 P. 2 P.

nicht

0 P. 

3. Zeitliche Bindung

6 Jahre

6 P.

4 Jahre

3 P.

4. Zusatzpunkte      
Gesamtsumme      


Prämienvoraussetzung sind mindestens 12 Punkte. Maximal können 18 Punkte (ohne Zusatzpunkte) vergeben werden.
Der Punktesatz beträgt pro ha € 22,00

Wie geht´s weiter?

Der Einstieg in die vertragliche Bindung basiert prinzipiell auf Freiwilligkeit des teilnehmenden Landwirtes. Der Vertrag ist bindend für beide Seiten, kann jedoch bei plausibler Begründung (z. B. Kündigung der Pacht, Nichtbefolgen der Bewirtschaftungsauflagen usw.) von beiden Seiten innerhalb des Vertragszeitraumes gekündigt werden. Ist eine Fläche ins BEP aufgenommen worden, wird sie mit einer Biotoptafel gekennzeichnet. Auf diese Weise wird darauf hingewiesen, dass diese Fläche naturnah bewirtschaftet wird und zur Erhaltung der Artenvielfalt beiträgt. Diese Biotop-Flächen und die Einhaltung der Bewirtschaftungsauflagen werden während der Laufzeit stichprobenartig kontrolliert.

Wiesentypen

Konkrete Beispiele für vertragsfähige, extensiv bewirtschaftete Wiesentypen im BEP sind:

Magerwiesen
sind die mit Abstand reichsten Lebensräume (=Biotope) unserer Heimat. Man erkennt sie leicht am charakteristischen Graubraun, das vom Spätherbst bis weit ins Frühjahr das Wiesenbild beherrscht. Aufgrund der Langsamwüchsigkeit der Magerwiesenpflanzen erscheint die Fläche immer schütterer als umgebende Fettwiesen. Viele der hier vorkommenden Pflanzen sind auffällig hartblättrig, teilweise behaart und bilden an den Boden anliegende Rosetten. Sie passen sich der Nährstoffarmut des Standortes an. Weit verbreitete Arten der Fettwiesen, die viel Dünger lieben, wie z.B. Löwenzahn, Scharfer Hahnenfuß, Kerbel und Bärenklau, fehlen. Magerwiesen sind, da sie anthropogen (=durch menschlichen Einfluß bedingt) entstanden sind, auf die Weiterführung der traditionellen Bewirtschaftung angewiesen. Sie entstehen bei lange andauerndem Nährstoffentzug durch Mahd oder Weide. Bei Aufgabe dieser Bewirtschaftung wandeln sie sich letztendlich wieder in Wälder um.

Trocken- und Halbtrockenrasen
Sie umfassen eine bunte Mischung verschiedener lokaler Wiesentypen. Trockenrasen findet man auf regelmäßig austrocknenden, besonders warmen und nährstoffarmen Standorten. Halbtrockenrasen sind auf zumindest zeitweilig trockenen Standorten zu finden. Sie sind sehr artenreich und weisen mitunter einige Orchideenarten auf. Beide Rasen sind ungedüngte, einschürige Wiesen auf meist steilen, maschinell schwer bearbeitbaren Hängen oder kleinflächigen Terrassenböschungen. Beide sind stark gefährdet durch Intensivierung, Aufforstung sowie durch Verbauung dieser Flächen.

Feuchtwiesen
zeichnen sich durch dichtes Pflanzenwachstum und satte grüne Farben aus. Je feuchter es wird, desto mehr Sauergräser kommen hier vor. Diese Wiesen sind zweischürig und werden von Gräsern beherrscht.

Sumpfwiesen (Streuwiesen)
entstehen auf periodisch überschwemmten Standorten. Es herrschen Sauergräser vor. Kalkreiche Sumpfwiesen sind sehr artenreich mit Sauergräsern, Wollgras, Sibirischer Schwertlilie und Lungenenzian. Sie werden einmal im Herbst (Ende September) gemäht. Das Schnittgut wird u. a. zum Einstreuen im Stall verwendet.

Fettwiesen
treten auf gut mit Wasser und Nährstoffen versorgten Böden auf. Diese Wiesen sind 2-(3)- schürig. Mit zunehmender Düngung und Mahdhäufigkeit nimmt die Artenzahl rapide ab.

Hutweiden
sind ertragsschwache (nicht eingefriedete) beweidete Flächen. Sie dürften zu unseren ältesten wiesenartigen Flächen überhaupt gehören. Entstanden sind sie überall dort, wo eine Ackernutzung nicht möglich war. Das markanteste Gehölz dieser Weiden ist der Wacholder. Er gilt als Charakterart von erst in jüngster Zeit aufgegebenen Hutweiden.


Externe Verknüpfung Naturschutz (Partner) Vertrag Biotoperhaltungsprogramm (BEP) Vertrag

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