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Wie schreibe ich eine Laudatio?

„rem tene, verba sequentur“ (Beherrsche die Sache, dann folgen auch die Worte), dieser Satz wird Marcus Porcius Cato (bekannt als Cato der Ältere, 234–149 v. Chr.) zugeschrieben. Nichts charakterisiert aus meiner Sicht das Verfassen einer Laudatio besser als dieser Satz.

 

Zunächst gilt es den Rahmen der Laudatio abzustecken, wobei viele Parameter zum Erfolg beitragen. Noch bevor das erste Wort entsteht, bedarf es umfassender Informationen und präzisester Recherchen.

Es gilt abzuklären, zu welchem Anlass und an welchem Ort die Laudatio gelesen wird. Und schließlich spielt das Auditorium (Zuhörerschaft) eine wesentliche Rolle bei der Wortwahl. Ist ferner noch die Länge und Formatierung der Laudatio besprochen, dann können wir unsere Gedanken zu Papier bringen (auf Grund meiner Erfahrung würde ich die Recherche und Abklärung der genannten Einzelheiten mit etwa 60% des gesamten Zeitaufwandes bewerten).

Nicht zu vergessen ist der Umstand, dass eine Laudatio einer subjektiven Stellungnahme entspricht, sollten nur objektive und nachweisbare Fakten zu Papier gebracht werden, besteht die Gefahr, dass die Laudatio zu einem Referat verkümmert.

 

Es ist angebracht, den einen oder anderen Absatz mit markanten Worten zu beginnen. Ebenso besteht die Möglichkeit, die Laudatio mit einem sogenannten „Sager“ zu beenden.

I have a dream“ von Martin Luther King vor dem Lincoln Memorial in Washington im August 1963: Dieser Satz eröffnete viele Passagen dieser Rede und ist unvergessen.

Ich bin ein Berliner“. Kaum jemand kennt den Inhalt jener Rede, die John Fitzgerald Kennedy im Juni 1963 in Berlin-Schöneberg hielt. Aber dieser Satz mit dem Kennedy seine Rede beendete, erlangte Bekanntheit.

 

Eine gelungene Laudatio ähnelt daher einer Musikkomposition. Sie fordert die Zuhörerschaft zum genauen Hinhören auf und Passagen sollen noch lange im Gedächtnis verweilen.

 

Nun zum technischen und dem praktischen „1x1“.

Bereiten Sie ein Laudatio optisch insofern auf, als dass sie eine Schrift wählen, die sich aus größerer Distanz leicht lesbar zeigt (z.B. in WINWORD: Schriftart TAHOMA, Schriftgröße 18, 100% skaliert und 1pt erweitert). Verwenden Sie Formatierungen, damit Ihr Auge die zu lesende Zeile erfassen kann. Hier bieten sich idealerweise Leerzeilen als klare Trennung von Abschnitten an. Verwenden Sie für wichtige Sätze (oder Worte) die Möglichkeit der Fettschrift.

 

Grundsätzlich teile ich Laudationes in zwei große Gruppen:

1) Der Ersteller der Laudatio trägt diese auch vor.

2) Die Laudatio wird von einem „Ghostwriter“ erstellt.

 

zu 1) Diese Möglichkeit erscheint nicht nur leichter, sie ist es tatsächlich. Der Ersteller hat seinen Sprachrythmus, seine Sprachmelodie sowie die Klangfarbe im Ohr und kann dementsprechend die Laudatio formen.

 

zu 2) Wesentlich schwieriger stellt sich die Situation dar, wenn die Laudatio für einen Laudator (Vortragender der Laudatio) geschrieben werden soll.

Einen „Speechwriter oder Ghostwriter“ zu benutzen, stellt einen durchaus üblichen Vorgang dar, da vielen Laudatores einfach die Zeit fehlt, sich mit der Erstellung einer Laudatio zu befassen. Es mag sein, dass der Laudator die zu ehrende Person sehr gut kennt, aber eine Stegreifrede (also ohne schriftliche Unterlage) zu halten, birgt die Gefahren von Irrtümern bei Jahreszahlen etc., in sich.

Der Verfasser wird besonders sorgfältig recherchieren und formulieren, da er bei einer ungenauen oder falschen Aussage den Vortragenden öffentlich in Verlegenheit bringen könnte.

Der Vortragende vertraut dem Verfasser „blind“ und muss sich auf die inhaltliche Richtigkeit der Laudatio verlassen können.

 

Für beide Varianten gilt, dass die „klassische“ Laudatio nun mit Titel(n), Vorname, Familienname, beginnt. Wobei hier großer Wert auf die richtige Titelreihenfolge zu legen ist. Unter Umständen finden Geburtsdatum und Geburtsort Erwähnung.

Es folgt üblicherweise eine kleine Einleitung zum Grund der Ehrung, um eine Spannung unter den Zuhörern aufzubauen.

Keinesfalls sollten sich bei dieser Form einer Laudatio gereimte Sätze wiederfinden. Vermeiden Sie bitte auch „lustige“ Wortspiele oder Andeutungen, die unter Umständen missverstanden werden könnten.

Fehl am Platz sind Worthülsen und Plattitüden. Versuchen Sie locker und leicht zu formulieren.

 

Nun gilt es die zu ehrende Person dem Auditorium in einigen Sätzen so vorzustellen, dass die Laudatio einerseits nicht in ein Konglomerat von Jahreszahlen abzurutschen droht und andererseits trotzdem die wesentlichen Eckdaten (Schul- und Berufsausbildung) umfasst.

Gerade dieser Einstieg in die Laudatio kann sich als ungemein schwer erweisen. Viele der Zuhörer erwarten schon die Details der Ehrungsgründe, während anderen der Lebensweg noch völlig fremd ist.

Anschließend an diese „Vorstellung“ folgt der Kern der Laudatio. In nicht zu langen Sätzen werden die wichtigsten Momente, Stationen, Verdienste, festgehalten.

Es erscheint  durchaus sinnvoll von Zeit zu Zeit eine kleine Wiederholung einzubauen, denn der Hörer ist nicht imstande, wie in einem Buch einige Seiten zurückzublättern. Ebenso können persönliche Erlebnisse und Anekdoten hier einfließen.

Verwenden Sie den Namen der zu ehrenden Person in verschiedensten Varianten, wie zum Beispiel: Direktor Dr. Peter Huber. Das sich hier anbietende Spektrum reicht von „Dr. Peter Huber“ über „Herr Dr. Huber“, „Direktor Huber“ bis hin zum ganz einfachen „Peter Huber“.

Des öfteren werden in diesen Passagen eine Unmenge von Fremdwörtern und Fachausdrücken eingebaut, so dass ein weniger fachkompetenter Zuhörer dem Inhalt nicht folgen kann. Das eine oder andere Fachwort hat seinen Fixplatz in einer Laudatio, aber wie überall im Leben auch hier: mit Maß und Ziel.

Eine weitere Falle stellt die Verdoppelung von Ausdrücken (Pleonasmus) dar.

Beispiel:
„Mit seinen eigenen Händen baute er den Betrieb auf“.

„Wir sind stolz, dass unser Produkt durch manuelle Handarbeit hergestellt wird“.
"wider Erwarten und unverhofft......................."

 

Nun folgt eine Ausleitung, die, wenn stilistisch möglich, mit wenigen Worten die Verdienste zusammenfasst. Es ist durchaus angebracht, Familienangehörige der zu ehrenden Person namentlich zu nennen und sich zu bedanken. Aber bitte vermeiden Sie Vornamen zu verstümmeln, wie zum Beispiel „Angela“ zu „Angie“ mutieren zu lassen.

 

Und zu guter Letzt schützt eine Plausibilitätsprüfung der Jahreszahlen des öfteren vor Peinlichkeiten. Hier kommt es erfahrungsgemäß oft zu „Unschärfen“.

Prüfen Sie, ob Jahreszahlen in Relation zueinander stehen
(z.B.: Geburtsdatum
óMatura, Geburtsdatumó Militärdienst).

 

Das „Rundherum“:

*Korrekte Titelreihenfolge bei der zu ehrenden Person (bei Unsicherheiten hilft Ihnen das Referat für Protokoll und Auszeichnungen des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung, Tel. (0316) 877-2507 gerne weiter). Sie finden auf dieser Homepage wertvolle weiterführende Informationen.

*Die Überreichung eines Geschenkes erfolgt üblicherweise nach der Laudatio, um die Dramaturgie nicht zu stören (vergessen Sie bitte nicht auf Blumen bei einer Dame bzw. auf Blumen für die Gattin des zu Ehrenden).

 

 

Übrigens: auch ein Muttertagsgedicht ist eine Laudatio!

 

Robert Schmidt

Grambach, im Oktober 2005

 
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