Bildungs- und Berufsorientierung & Geschlecht
Die Studien verdeutlichen, dass Berufswahl und berufliche Entwicklung nicht einfach individuelle Entscheidungen sind, sondern wesentlich durch gesellschaftliche Strukturen und Geschlechterrollen mitbestimmt werden.
Es muss auf vielen Ebenen angesetzt werden, um Menschen jeden Alters eine Berufswahl zu ermöglichen, welche zu den Bedürfnissen und Talenten passt, statt vorrangig von der Geschlechterrolle bestimmt zu werden.
Gleichstellung in der Steiermark in Zahlen 2025
(Steiermark Gleichstellung in Zahlen 2025 Heft 10/2025, Abteilung 17 Landes- und Regionalentwicklung)
Diese Publikation zeigt anhand aktueller Daten, dass Berufswahl und Verlauf der Karriere in der Steiermark weiterhin deutlich geschlechtsspezifisch geprägt sind.
Hier finden Sie eine Auswahl aktueller Studien aus Österreich, die sich mit dem Zusammenhang von Berufswahl und Geschlecht beschäftigen:
- Die Studie
"Bildungs-und Berufswahlprozesse junger Frauen: MINT the Gap! von Bergmann et al. (2023) analysiert Bildungs- und Berufswahlprozesse junger Frauen und zeigt, wie stark stereotype Rollenbilder und fehlende Zugehörigkeitserfahrungen die Entscheidung für oder gegen MINT-Fächer beeinflussen. - Ergänzend dazu untersucht die Studie
„MINT Drop-outs" von Sorger et al. (2025), warum Frauen technische Ausbildungen häufiger abbrechen oder wechseln und macht strukturelle sowie individuelle Einflussfaktoren sichtbar. - Die aktuelle Studie
„Männer.MINT.Care" (Schachner et al., 2026) richtet den Blick auf Arbeitsbedingungen in MINT-Berufen und zeigt, wie betriebliche Kulturen und Vereinbarkeitsfragen geschlechtsspezifische Karriereverläufe prägen. - Die von der MINTality Stiftung in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie
„Wie denken Eltern MI(N)T? - Bildungs- und Berufsorientierung für Töchter aus der Perspektive von Eltern" (Häckl et al., 2025) bildet erstmals für ganz Österreich die Vorstellung von Eltern zur beruflichen Zukunft ihrer Töchter ab - mit Fokus auf MINT. - Neben Studien aus dem MINT-Bereich gibt es auch zahlreiche Untersuchungen, die geschlechtsspezifische Unterschiede in der Berufswahl über alle Fachrichtungen hinweg analysieren. Bereits 2017 untersuchten die Pädagogische Hochschule Steiermark gemeinsam mit der Universität Graz und dem Bundeszentrum für Professionalisierung in der Bildungsforschung die Auswirkungen von Geschlechterrollen auf die Berufswahl in ihrer Studie:
„Geschlechtsstereotype Berufsentscheidungen bei Jugendlichen, die einen Lehrberuf anstreben: ein individuelles und ein gesellschaftliches Problem". Obwohl schon etwas älter, bietet diese Studie nach wie vor interessante Einblicke und zudem eine steiermarkspezifische Grundlage. - Die englischsprachige Studie
„Social selectivity and gender-segregation across fields of study" von Lessky et al. (2022) zeigt, dass Frauen und Männer in Österreich weiterhin deutlich unterschiedliche Studienfelder wählen - insbesondere im pädagogischen, sozialen und wirtschaftlichen Bereich. - Die Arbeit von Bacher et al. (2022) zu Berufswerten in Österreich verdeutlicht ebenfalls, dass unterschiedliche Wertorientierungen - etwa hinsichtlich Sicherheit, Einkommen oder Sinnhaftigkeit - einen wichtigen Einfluss auf geschlechtsspezifische Berufswahlen haben. Diese
Publikation ist ebenfalls in englischer Sprache. - Auch mit Fokus auf Jugendliche gibt es aktuelle Studien aus Österreich, die den Zusammenhang zwischen Berufsentscheidungen und Geschlecht untersuchen. Die Jugendstudie
„Lebenswelten 2025" bietet mit über 15.000 befragten Schülerinnen und Schülern einen breiten Überblick über Bildungs- und Berufswünsche und zeigt, dass sich geschlechtsspezifische Unterschiede bereits im Jugendalter deutlich abzeichnen. - Eine vertiefende Perspektive bietet die qualitative
Studie von Dreisiebner (2019), die zeigt, wie Jugendliche ihre Berufswünsche entwickeln und welche Rolle Geschlecht dabei spielt. Besonders deutlich wird, dass geschlechtsuntypische Berufswahlen häufig mit einem hohen Maß an Selbstreflexion und Unterstützung verbunden sind. - Es gibt aktuell eine neue
EU-Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter, die heuer im März verabschiedet wurde. Grundsatz 6 hat hochwertige sowie inklusive allgemeine und berufliche Bildung zum Thema.

