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Die Spanische Wegschnecke

Ursprünglich aus Spanien bzw. Portugal stammend, wurde die Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus) 1972 erstmals in Österreich gesichtet. Heute ist dieser Schädling mit Ausnahme von Skandinavien über ganz Europa verbreitet.
Sie zählt zur Ordnung der Landlungenschnecken (Stylommatophora) und zur Familie der Wegschnecken (Arionidae).
Neben fast allen grünen Pflanzen ernährt sich diese Schneckenart gelegentlich von Aas und neigt dabei auch zu Kannibalismus.

Aussehen

Die Spanische Wegschnecke wird etwa 8 bis 12 cm lang. Wie die Große Rote Wegschnecke ist sie rot-orange bis braun-schwärzlich gefärbt.

Eine Unterscheidung der ausgewachsenen Schnecken ist schwierig, die Jungtiere aber sind bei der Großen Roten Wegschnecke weißlich, bei ihrer Spanischen Kollegin dagegen gestreift in braun, gelb, grau und orange.


 

Lebensräume

Da Nacktschnecken im Allgemeinen auf ausreichende Feuchtigkeit angewiesen sind, unterliegen sie damit dem unmittelbaren Einfluss des Wetters (Makroklima) und den Bedingungen z.B. im Feldbestand (Mikroklima).
Unter Einfluss des Tageslichtes und zunehmender Trockenheit müssen schützende Verstecke aufgesucht werden. Das Temperaturoptimum liegt bei 17 bis 20 °C, aber auch bei 1 °C sind noch aktive Schnecken zu beobachten.
Je dunkler und feuchter es ist, umso höher sind die Bewegungs- und die Fraßaktivität, darin ist die überwiegende Nachtaktivität begründet. Hier liegt ein Problem das insbesondere Bewirtschaftungsverfahren mit Fruchtfolgen und langen Zeiten der Bodenbedeckung und der Bodenruhe betrifft. Diese Flächen bieten den Schnecken einen idealen Lebensraum: Nahrung, Schatten, Vermehrungsmöglichkeiten und häufig auch ausreichend feuchtes Mikroklima.
Die meisten Paarungen finden bei den Wegschnecken im Frühsommer statt. Jede Spanische Wegschnecke ist zur Ablage von 200 bis 400 Eiern befähigt. Die Gelege bestehen meist aus 10 bis 40 Eiern und befinden sind in Regenwurmgängen, unter Steinen, oder z.B. unter dichtem Mulchmaterial. Unter günstigen Witterungsverhältnissen können bereits nach 2 bis 4 Wochen junge Schnecken schlüpfen, die wiederum nach ca. 6 Wochen fortpflanzungsfähig sind. Die Lebensdauer beträgt zwischen 6 bis 8, teils auch bis zu 12 Monate, wobei adulte Schnecken auch bei tiefen Temperaturen im Boden überwintern können. Jedes Jahr entstehen zwei Generationen von Schnecken, unter günstigen Umweltbedingungen (Bodenruhe, Feuchtigkeit, Bodenbedeckung, Nahrungsangebot, milder Winter etc.) können es auch drei sein.
Im Feldbau (vor allem bei Wintergetreide und Kartoffeln, etwas weniger bei Zuckerrüben, Raps und Mais) ist ein besonders starkes Schneckenaufkommen zu erwarten, wenn sich bei Fruchtfolge bereits in der Vorfrucht eine hohe Schneckenpopulation aufgebaut hat. Dies ist häufig nach einem feucht-warmen Mai der Fall. Ein milder Winter kann die Ausgangspopulation noch zusätzlich erhöhen.
Wird bei der Bodenbearbeitung eine grobe Struktur mit Hohlräumen erzeugt, so finden die Schnecken ideale Rückzugsmöglichkeiten. Auf schweren Böden (lehmiger Ton) reichen die aufsteigende Kapillarität und die Luftfeuchtigkeit im Bestand für lange Aktivitätsphasen aus. Auf leichteren, grundwasserferneren Böden (humoser Sand) sind Niederschlagsphasen für den erneuten Bestandsaufbau notwendig.

Einbringungswege

Die Verschleppung der Spanischen Wegschnecke nach Mitteleuropa ist wahrscheinlich auf die verstärkten internationalen Pflanzen- und Gemüsetransporte zurückzuführen.
Ursprünglich beschränkte sich das Vorkommen der Art auf Mülldeponien, von wo aus sie möglicherweise über die Komposterde auf Rasenflächen gelangte. Da sie schließlich auch auf Holzlagerplätzen vermehrt auftauchte, war eine starke Verbreitung nur noch eine Frage der Zeit. Die Spanische Wegschnecke besitzt eine im Vergleich zu anderen Arten eine sehr hohe Mobilität (bis zu 20m pro Nacht), trotzdem schienen sich die Art jahrelang neben den Deponien und Holzlagern hauptsächlich in Gärtnereien und Gärten aufzuhalten. Hier richtet sie durch ihre starke Fressaktivität große Schäden an den Pflanzen an, und ist daher ein gefürchteter Schädling.
Erst in jüngster Zeit ist eine zunehmende Einwanderung in naturnahe Ökosysteme beobachtbar, auch für den Feldbau wird sie nun zum Problem.
Durch Änderungen in der Bodenbearbeitung, wie das Verbot des Verbrennens von Stroh, die flachere Einarbeitung des Saatgutes, vor allem aber die Reduktion der Nützlinge durch die Ausweitung des Gifteinsatzes, wird die Ausbreitung der Nacktschnecken in landwirtschaftliche Gebiete begünstigt.
Das Vordringen in natürliche Bereiche führt zu einer Konkurrenz mit einheimischen Naturschneckenarten, die ähnliche Lebensraumansprüche haben (z.B. Große Rote Wegschnecke - Arion rufus) und ist für deren Rückgang mitverantwortlich.

Bekämpfungsmaßnahmen

Da es sich bei der Spanischen Wegschnecke um einen oftmals recht hartnäckigen Schädling handelt, kann leider noch keine allgemeingültige Methode zur ihrer Bekämpfung empfohlen werden. Wenn möglich sollte der Einsatz von Chemikalien die letzte Alternative sein, für die man sich entscheidet. Stattdessen ist es sinnvoll, ein möglichst naturnahes Ökosystem zu fördern, um den natürlichen Feinden der Schnecke einen Lebensraum zu bieten. So fressen z.B. Laufenten, Hühner, Igel, Frösche und Kröten die Schnecken selbst, während Leuchtkäfern, Glühwürmchen und Laufkäfern die Eier als Nahrung dienen.

Kulturmaßnahmen

Durch Walzen des Bodens nach der Aussaat verringert die Versteckmöglichkeiten für die Nacktschnecken bei trockenem Wetter, außerdem finden die Schnecken die Saatkörner dadurch weniger leicht. Dieser Effekt kann durch tiefere Saat noch verstärkt werden.
Kulturpflanzen mit hoher Bodendeckung (Raps, Sonnenblume, Grünbrache und Wiesen) bieten den Schnecken bessere Vermehrungsmöglichkeiten. Daher sollten im Jahr danach möglichst resistente Kulturen gesät werden.
Durch sofortiges Einarbeiten der Ernterückstände weichblättriger Pflanzen werden die Versteckmöglichkeiten und das Nahrungsangebot verringert.
Weichblättrige Unkräuter werden von Schnecken oft der Feldfrucht gegenüber bevorzugt, daher sollte man eine leichte Verunkrautung tolerieren.
Je später im Jahr gepflügt wird, desto mehr Schneckeneier gehen durch Erfrieren zugrunde (allerdings auch die Regenwürmer).
Da Grünbrachen eine deutlich höhere Schneckenbesiedlung als kultivierte Felder zeigen, sollten unbedingt Sperrflächen angelegt werden.
Für den Hausgarten gilt außerdem:
Das Einsammeln von Nacktschnecken erfolgt am besten morgens, bei höherer Feuchtigkeit. Man kann die Leichen nun als Köder verwenden, denn in Kombination mit einer gestellten Versteckmöglichkeit locken sie Artgenossen an, die dann ebenfalls eingesammelt werden können.
Bierfallen locken Schnecken wegen ihres Geruchs an. Allerdings werden auch die Schnecken außerhalb des Gartenzauns angelockt, weshalb man sie nie innerhalb der Beete aufstellen sollte.
Empfindliche Kulturen und frische Aussaaten können durch Schneckenzäune geschützt werden. Man sollte dabei auf überhängende Pflanzenteile achten.
Mulchen sollte wenn möglich vermieden werden, um Versteckmöglichkeiten für Nacktschnecken zu verringern.

Biologische Maßnahmen

Für den biologischen Feldbau gibt es kaum bekannte Maßnahmen zur Verminderung der Schneckenplage. Ein vielversprechender Anfang ist die Verwendung von Nematoden (Fadenwürmern der Art Phasmarhabditis hermaphroditica). Diese leben als Parasiten in der Schalenhöhle der Schnecken unterhalb des Mantels und führen bei starker Infektion zum Tod, während die Begleitfauna nicht betroffen ist (möglicherweise könnten aber auch Gehäuseschnecken befallen werden!).
Für den Hausgarten gilt außerdem:
Nur möglichst starke Pflanzen aussetzen, da zarte und sehr junge Setzlinge verlockender für Nacktschnecken sind.
„Indische Laufenten" können zur Vernichtung der Spanischen Wegschnecke beitragen. Es werden sogar schon Leihenten mit Käfig angeboten („rent an ent"). Hühner fressen ebenfalls Nacktschnecken und scharren sogar die Gelege aus der Erde. Man sollte dabei aber auch wegen der gefiederten Helfer ein wachsames Auge auf seine Beete haben.

Chemische Maßnahmen

Metaldehyd-Präparate wirken auf die Schnecken wasserentziehend und dadurch lähmend. Bei genügend hoher Feuchtigkeit können sich die Schnecken aber erholen und den Flüssigkeitsverlust ausgleichen (auf Wiesen daher kaum wirksam - Tau, Nebel,...). Daher ist ein nachträgliches Einsammeln und Töten unbedingt notwendig.
Carbamat-Präparate (Mercaptodimethur, Methiocarb) sind stark wirksame Nervengifte, die wegen ihrer Giftigkeit für Wirbellose (z.B. Bienen) und Wirbeltiere (Singvögel, Niederwild, bei Ausschwemmung auch Fische, ...) auch über Sekundärvergiftungen sehr problematisch werden können. Werden die Pellets auf Blättern aufgebracht, sollten sie dort wegen der Übernahme in die Pflanze nicht lange liegen bleiben. Außerdem muss eine Wartefrist von 14 Tagen bis zur Ernte eingerechnet werden. Daher sollten die Pellets am Besten knapp unter der Oberfläche eingearbeitet werden.
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