Luchs
Biologie und Lebensweise
Luchse leben die meiste Zeit im Jahr als Einzelgänger, außer in der Paarungszeit und während der Jungtieraufzucht. Sie bevorzugen in Mitteleuropa waldreiche Gebiete, die Unterschlupf und ausreichend Nahrung bieten. Die bevorzugten Beutetiere sind Huftiere - besonders das Reh und wo vorkommend auch die Gämse. Sie erbeuten aber auch andere kleine bis mittelgroße Säugetiere und auch Vögel, wenn sich die Gelegenheit bietet. Durchschnittlich benötigt ein Luchs ein Reh pro Woche und wenn er nicht gestört wird, wird fast das gesamte Muskelfleisch des Beutetiers gefressen. Zwischen den Fressintervallen wird die Beute mit Laub, Gras oder Schnee bedeckt, damit es von potentiellen Mitnutzern nicht so leicht gefunden werden kann. Luchse sind nicht unbedingt scheu, haben allerdings eine heimliche Lebensweise, weshalb sie nur selten beobachtet werden können. Angriffe von Luchsen auf Nutz- bzw. Wiedertiere sind in Mitteleuropa selten. Für den Mensch stellt der Luchs keine Gefahr dar.
Die Paarungszeit - auch Ranzzeit genannt - findet von Februar bis März statt. Die ein bis vier Jungtiere werden gut versteckt in Höhlen oder andere Unterschlüpfen im Mai bis Juni geboren. Die Jungtiere werden von ihrer Mutter ca. 3 Monate gesäugt und sind auch danach noch auf sie angewiesen. Erst im darauffolgenden Frühling verlassen die Jungtiere ihre Mutter und machen sich auf die Suche nach eigenen Revieren. Die Jungensterblichkeit ist bei Luchsen hoch. Nur ein Viertel der Luchse wird älter als zwei Jahre.
Weibliche Luchse benötigen in Mitteleuropa im Schnitt ein Streifgebiet von 12.000 ha und männliche bis über 40.000 ha. Die Reviere von männlichen Luchsen überlappen dabei meist mehrere Reviere von Weibchen.
Luchsmonitoring in der Steiermark
Von September 2022 bis Oktober 2025 fand in der Steiermark ein Luchsmonitoring statt. Die gesamten Ergebnisse des Monitorings sind in dem Bericht nachzulesen.
Luchs-Monitoring 2022 bis 2025
Ziel des Projekts war es, den Bestand und die Verbreitung von Luchsen in der Steiermark zu erfassen und Nachweise über ihre Raumnutzung und mögliche Reproduktionen zu dokumentieren. Besondere Bedeutung hatte dabei der Einsatz von Wildkameras, die es ermöglichten, Luchse anhand ihrer individuellen Fellzeichnungen eindeutig zu identifizieren und damit auch zu zählen.
Im Zeitraum des Monitorings wurden insgesamt 100 Luchsereignisse dokumentiert. Diese konnten 5 selbstständigen (erwachsenen) Luchsen zugeordnet werden.
Luchsnachweise dargestellt in SCALP-Kategorien in der Steiermark im Monitoringzeitraum LY 2022 bis 2024, entnommen aus dem Endbericht
Im steirischen Untersuchungsgebiet haben zwei Luchse, eine Luchsin und ein Luchskuder, aus dem NP Kalkalpen ihr Streifgebiet im Grenzbereich von OÖ und der Steiermark. Im Fall dieser Luchse ist es durch das Monitoring gelungen, ein umfassenderes Bild von deren Raumnutzung zu zeichnen.
Aus dem Bereich Hinterwildalpen bis Mariazell waren zwei weitere Luchse bekannt. Einer der beiden Luchse konnte zu Beginn bereits durch die genetische Analyse einer Losungsprobe als Kuder und Nachkomme des Bestands aus OÖ aus dem Bereich des NP Kalkalpen identifiziert werden. Das andere Luchsindividuum ist im Zuge des Monitorings per Losungsanalyse als weibliches Tier bestimmt worden. Die Luchsin konnte zusätzlich per Fellmustervergleich als Nachkomme der wiederangesiedelten Luchse im Bereich des NP Kalkalpen aus dem Jahr 2013 zugeordnet werden. Die Bestimmung der Herkunft ermöglichte es, den Lebensweg vom Jungtier im Jahr 2013 bis zum Erstnachweis im Jahr 2020 auf steirischem Boden nachzuvollziehen.
Seit 2023 hält sich zusätzlich eine Luchsin, die aus einem italienischen Auswilderungsprojekt stammt und von dort abgewandert ist, nachweislich bis heute im Grenzgebiet Kärnten-Steiermark auf.
Durch die individuelle Fellzeichnung können Luchse zwar unterschieden werden, Fotos erlauben aber selten einen Rückschluss auf das Geschlecht. Nur in Ausnahmefällen bekommt man Bilder in der richtigen Position des Luchses oder jungtierführende Luchse vor die Kamera. Um das Geschlecht bestimmen zu können, sind genetischen Proben von den einzelnen Luchsen hilfreich. Um an diese Proben (Haare, Urin, Kot) zu gelangen ist viel Zeit, Fachwissen und auch Glück notwendig. Darum wurden im Luchsmonitoring Steiermark 2022-2024 zusätzlich speziell ausgebildete Naturschutzhunde eingesetzt. Und dies mit Erfolg.
Mit Hilfe des Naturschutzhundes Finn konnte die Losung eines Luchses gefunden werden, von dem das Geschlecht noch unbekannt war. Nach der genetischen Analyse wurde auch dieses Geheimnis gelüftet. Die Vorstellung der im Zuge des Luchsprojektes nachgewiesenen Luchse ist hier zu finden.
Bericht über den Einsatz von Naturschutzhunden



